Vor nur zwei Wochen hat Santander
-CEO Alfredo Saenz ausführlich erläutert, dass eine Kernkapitalquote von sechs Prozent für seine Bank absolut ausreichend sei. Die höheren Werte, die andere europäische Banken erreichen, könne man auf Santander
nicht übertragen.
Augenscheinlich ist es doch nicht ganz so einfach. Denn nun haben die Herren an der Spitze von Spaniens größter Bank, bislang einer der Krisengewinnler, plötzlich beschlossen, die Quote mit einer massiven Kapitalerhöhung auf sieben Prozent zu steigern. Die schlechte Wirtschaftsentwicklung und nicht zuletzt die staatlichen Kapitalspritzen für die europäischen Konkurrenzbanken hätten das Panorama geändert, erklärt die Bank zur Begründung. Tatsächlich erreichen manche Konkurrenten aber schon Werte um zehn Prozent. Der Markt verlangt mittlerweile höhere Kernkapitalquoten.
Die Erkenntnis, dass es derzeit nicht der beste Moment ist, um Beteiligen zu veräußern, hätte Santander
auch schon vor zwei Wochen kommen können. Das würde das Eigenkapital aktuell wohl eher runterziehen.
Die angekündigte Kapitalerhöhung ist dennoch kein Verzweiflungsakt. Santander
musste keine Abschreibungen im Zuge von Subprime machen, hat eine sehr niedrige Kreditausfallrate und verfügt über Liquiditätsreserven von 6,3 Mrd. Euro. Die Kapitalerhöhung wird von den Aktionären unterstützt.
Doch die Santander
-Führung hat die globale Krisenentwicklung in den letzten Wochen falsch eingeschätzt. Wohl deshalb strafte die Börse die Aktie mit einem sechsprozentigen Kursverfall. Santander
und der gesamte spanische Bankensektor wirken plötzlich nicht mehr so unverwundbar wie noch vor kurzem.
