Der Konkurs der größten spanischen Immobilienfirma Martinsa Fadesa hat das Augenmerk verstärkt auf den Bankensektor des Landes gelenkt.
Die große Frage lautet: Wie viele Pleiten dieser Art können die Finanzinstitute verkraften? Droht eine spanische Episode im Stile von Northern Rock, der mittlerweile verstaatlichten britischen Hypothekenbank? Die Antwort: Das ist sehr unwahrscheinlich.
Die Ausgangslage der spanischen Finanzinstitute ist besser als die der meisten anderen europäischen. Spaniens Banken und Sparkassen verdienen ihr Geld zum großen Teil noch immer mit dem klassischen Bankgeschäft: Sie ziehen Einlagen an und geben dafür Kredite an Unternehmen und Private. Dank des Wirtschaftsund Baubooms in den letzten Jahren war das ein lukratives Geschäft. Die hohen Gewinne bieten nun ein gutes Kissen für die Krise, wenn auch die Mischung aus sinkenden Kreditvolumina und niedrigeren Margen mittlerweile auf die Ertragslage drückt.
Verbriefungen von spanischen Hypothekenkrediten waren zwar eine zusätzliche Finanzierungsquelle, doch die spanische Bankenregulierung hat aus der Krise der 80er-Jahre gelernt und dafür gesorgt, dass Risiken adäquat und transparent bewertet werden. Subprime im Sinne von komplexen Strukturen und außerbilanziellen Vehikeln gibt es in spanischen Banken praktisch nicht.
Die Bankenregulierung hat die Finanzinstitute in Spanien außerdem zu einer antizyklischen Politik gezwungen, was dazu führt, dass sie mit ihren Rücklagen laut Stress-Test-Analysen der Zentralbank selbst gegen eine Vervielfachung der noch immer niedrigen Kreditausfallraten geschützt sind.
Nichtsdestotrotz betrachtet die spanische Finanzwelt mit Sorge die explosive Mischung aus einer hohen Inflation von rund fünf Prozent, steigenden Zinsen sowie einer platzenden Immobilienblase, die bei einer Reihe hochverschuldeter Bau- und Immobilienfirmen zu Zahlungsschwierigkeiten führt. All diese Faktoren sorgen für eine rapide Verschlechterung der Realwirtschaft.
Die Gefahren liegen nicht so sehr in Massenausfällen bei privaten Hypothekenkrediten, wenn auch viele Familien im Zuge steigender Arbeitslosigkeit und steigender Kosten an die Grenzen ihrer Kapazitäten gelangen. Doch da es sich bei den Garantien der Hypothekenkredite in der Regel um den Erstwohnsitz handelt, ist die Zahlungsmoral relativ hoch. Dies zeigte sich etwa in den Halbjahresergebnissen der Santander
-Tochter Banesto
: Die Ausfallrate bei den Hypothekendarlehen beträgt dort nur 0,84 Prozent, im Gegensatz zu über zwei Prozent etwa bei den Konsumentenkrediten oder 1,27 Prozent bei den Krediten an mittelständische Unternehmen.
Größere Unbill droht bei den hochverschuldeten Bau- und Immobilienfirmen. Laut dem Kreditversicherer Euler Hermes stiegen die Konkursanmeldungen in diesem Sektor im ersten Quartal um fast 150 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Martinsa Fadesa war nur der erste große Fall.
Insbesondere den spanischen Sparkassen kann man vorwerfen, dem Bau- und Immobiliensektor zu lange und zu bedenkenlos Kredite gewährt zu haben. Von den insgesamt mehr als 300 Mrd. Euro Kreditvolumen spanischer Finanzinstitute an Bauentwickler entfallen 60 Prozent auf Sparkassen. Von den 2007 vergebenen Krediten an den Bausektor entfallen sogar rund 70 Prozent auf sie.
Die Kassen haben schon einen Anteil fauler Kredite von 1,66 Prozent, im Gegensatz zu nur 1,23 Prozent bei den Banken. Möglicherweise wird die Regierung mit Unterstützungsmaßnahmen für den Immobiliensektor weitere Großpleiten zu verhindern suchen, damit einige Sparkassen nicht unter Druck geraten.
Insgesamt haben die Finanzinstitute es also mit sinkenden Gewinnmargen, steigenden Ausfallraten, der Aussicht auf weitere Großpleiten im Immobiliensektor und auf einige Jahre der wirtschaftlichen Stagnation zu tun. Doch sie sind auf diese Situation mit einem guten Polster an Rücklagen und einer soliden Kapitalbasis vorbereitet. Zudem dürften sie einen Teil der inflationsbedingten Rückschläge durch weitere Einsparungen ausgleichen können.
Insbesondere die beiden Großbanken BBVA
und Santander
haben sich zudem in der letzten Dekade stark international diversifiziert und profitieren insbesondere von der guten Konjunktur in Lateinamerika. Santanders
Übernahmeangebot für die britische Alliance & Leicester zeigt, wie viel Vertrauen die Bank in ihre Kapital- und Liquiditätspolster hat.
Auch Banesto
gab mit einem Gewinnplus von 15 Prozent im ersten Halbjahr ein ausgezeichnetes Bild ab. Die Resultate der übrigen Banken werden Aufschluss darüber geben, ob und wie sehr die Margen leiden. Spektakuläre Bankenpleiten sind indes nicht zu erwarten.
