Der Dax ist zeitweise auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Droht nun der totale Ausverkauf oder gibt es erste Anzeichen für eine Wende zum Guten? Pro und Contra.
Pro: Die Erholung kommt - Der Markt ergötzt sich an Schreckensszenarien
Von Christian Schnell
FRANKFURT. Die mögliche Übernahme des Automobil-Zulieferers Continental
und die Stützungsmaßnahmen der US-Regierung für die angeschlagenen Hypotheken-Finanzierer Freddie Mac
und Fannie Mae
sollen gestern die Gründe dafür gewesen sein, dass es den internationalen Aktienmärkten nach einer schweren Vorwoche wieder etwas besser ging.
Beide Aspekte sind für den Langfristinvestoren nicht von Bedeutung. Conti
hat ein Dax-Gewicht von gerade mal 1,5 Prozent hat; das ist gänzlich ungeeignet, Deutschlands Leitindex nach oben zu ziehen. Und die US-Stützungsmaßnahmen entsprechen einem Automatismus, der ohnehin vor US-Wahlen die Regel ist.
Sinnvoller ist es, sich auf Fundamentaldaten zu stützen. Rund 30 Prozent haben europäische Aktien seit einem Jahr verloren, zwanzig Prozent die US-Werte. Und das, obwohl amerikanische Aktien vor einem Jahr keinesfalls niedriger, sondern höher als ihre Gegenüber aus Europa bewertet waren. Hier zeigt sich ein eklatantes Missverhältnis, hat doch die von den USA ausgehende Finanzkrise den Aktienmarkt des alten Kontinents weit stärker getroffen als den Heimatmarkt.
Dass das nicht rational ist, wissen an den Märkten alle. Dennoch ergötzt man sich an Schreckensszenarien, die nach oder zusätzlich zur Finanzkrise eine deutliche Abschwächung der Industrieproduktion, chronisch hohe Inflationsraten und kräftig sinkende Gewinne der Unternehmen ins Feld führen, um Anleger auf sinkende Kurse vorzubereiten.
Darin steckt ein gehöriges Maß an Übertreibung. Den fünf exzellenten Jahren in Folge wird 2009 zwar kein weiteres folgen, jedoch ein im Langfristvergleich überdurchschnittlich gutes. Sowohl die deutsche Volkswirtschaft als auch Unternehmen scheinen auf diesen Abschwung im europäischen Vergleich weit besser eingestellt zu sein als ihre Pendants in Frankreich, Großbritannien oder Italien. Deswegen könnte sich durchaus wiederholen, dass sich die großen ausländischen Investoren wie schon vor Jahren auf den robusten deutschen Aktienmarkt stürzen.
Dem droht nur eine große Gefahr: Sollte der Ölpreis langfristig jenseits der 140 Dollar je Fass verharren, dann tut es Volkswirtschaft und Unternehmen richtig weh. Im anderen Fall spricht wenig dagegen, dass es schon bald zu einer spürbaren Erholung kommt.
