Von einer "Fusion unter Gleichen" hat Commerzbank
-Chef Martin Blessing nie gesprochen. Schon als er die Übernahme der Dresdner Bank Anfang September verkündete, machte er klar, dass die Commerzbank
am Steuer sitzt und er selbst dieses auch nicht ein Stückchen aus der Hand zu geben gedenkt. Davon wird ihn auch der Streit mit den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat der Dresdner Bank nicht abhalten.
Im Vorstand des zusammengeführten Instituts werden - mit dem Ausscheiden von Dresdner-Chef Herbert Walter - nur Commerzbanker sitzen. So hart dies auf den ersten Blick erscheint, ist es der einzig richtige Weg bei einer Fusion dieser Größenordnung. Gut gemeinte Pöstchen-Verteilung in der Spitze bringt nur die Gefahr von späterem Gerangel, nimmt Tempo aus einer Fusion, die zu schwierigen Zeiten über die Bühne gehen muss.
Doch ebenso sollte Blessing den gut 25 000 Beschäftigten der grünen Dresdner Bank das Gefühl geben, im neuen Konzern ebenso faire Karrierechancen zu haben wie ihre gelben Commerzbank
-Kollegen. Dies ist die schwierigste Gratwanderung, die der Commerzbank
-Chef schaffen muss. Denn viele Fusionen scheitern daran, dass die Belegschaft nie wirklich zusammengewachsen ist.
Bisher steht fest: In der ersten Führungsebene der neuen Bank sind die Dresdner Banker mit einem Viertel vertreten, in der zweiten mit 40 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass der Commerzbank
-Führung die Symbolik ihrer Entscheidungen durchaus bewusst ist. Ob Blessing seine Euphorie, mit der er auf die Zukunft des neuen Instituts schaut, wirklich auf die Ebenen darunter übertragen kann, wird davon abhängen, wie transparent und fair die weiteren Postenverteilungen ausfallen.
