Mehrere Millionen Deutsche steigen jedes Jahr vorzeitig aus ihrer Lebensversicherung aus. Das ist meistens schon deshalb eine schlechte Idee, weil diese langfristige Geldanlage oft erst nach Jahrzehnten richtig gut wird.
Viele Versicherte übersehen dabei, wie teuer eine Kündigung am Ende kommt. Wer zum Beispiel 10 000 Euro an Prämien eingezahlt hat, erhält oft weniger als 5 000 Euro zurück. Denn der Versicherer veranschlagt hohe Kosten für den Vermittler, den Abschluss und die Verwaltung des Vertrags. Obendrein muss der Kunde in vielen Fällen auch noch Steuern auf die Kapitalerträge zahlen, die bei vorzeitigen Kündigungen alter Verträge häufig anfallen.
Genau hier liegt eine Ungerechtigkeit, die für den Fiskus zu einem gewaltigen Problem werden könnte. Wer Zinsen besteuert, sollte auch die damit verbundenen Kosten steuermindernd zulassen. Dies ist bisher bei vielen vorzeitig gekündigten Lebensversicherungen nicht üblich. Die ersten Finanzämter haben solche Werbungskosten nun jedoch anerkannt.
Wenn dies künftig zur Regel würde, eröffneten sich für viele prächtige Möglichkeiten, mit alten Lebensversicherungen Steuern zu sparen. Insbesondere betrifft das jene Verträge, die von 1996 bis Ende 2004 abgeschlossen wurden. Bis zu diesem Jahr galt das Privileg der Steuerfreiheit für Lebensversicherungen, wenn sie zwölf Jahre gehalten wurden.
Aller Erfahrung nach wird der Fiskus jedoch versuchen, solch ein Steuersparmodell zunächst einmal zu verhindern. Deshalb werden die Finanzgerichte das Thema vermutlich endgültig entscheiden. Betroffene sollten dennoch vorsichtshalber schon heute Verluste aus vorzeitig gekündigten Lebensversicherungen in ihre Steuererklärung aufnehmen.
