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17.11.2008 
Kreditklemme

Kampf ums nackte Überleben

von Hermann-Josef Knipper

Es war einmal eine Finanzkrise. Eine große Bank in Amerika ging überraschend pleite, und viele andere Banken wären ihr fast gefolgt, hätte Vater Staat sie nicht gerettet. Nun wird das Finanzsystem wieder krisenfest gemacht. Die Kreditinstitute werden an der kurzen Leine der Kontrolleure wieder zu Kräften kommen, um den stotternden Wirtschaftskreislauf mit vielen und billigen Krediten in Gang zu bringen. Sie stocken gleichzeitig ihr Eigenkapital auf und stoßen giftige Engagements ab. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute ...

Nur Träumer erwarten, dass mitten in einer dramatisch beschleunigten Talfahrt der Wirtschaft eine Bank freigiebig Kredite zuteilen kann. Nur Märchenerzähler können behaupten, allein schon durch sinkende Leitzinsen könne die Kreditversorgung des Mittelstands verbessert werden. Die Realität ist eine andere: Alle Banken kämpfen gerade mit steigenden Kreditausfällen und sinkenden Erträgen. Jede Bank muss zurzeit versuchen, das Eigenkapital aus eigener Kraft zu stärken.

Beides geht automatisch zulasten der Kreditvergabe. Wer auf Staatshilfe zurückgreift wie die Commerzbank, muss sich mächtig anstrengen, um nur die Zinsen zu verdienen, ist also in der Kreditvergabe erst recht eingeschränkt. Alle Banken müssen ihre Bonitätsanforderungen zurzeit verschärfen und die Zinsmargen noch ausweiten, um trotz geringeren Geschäfts irgendwie die Kosten zu decken.

Bittere Folge: Das Volumen der Kredite wird spürbar sinken, eine Kreditklemme scheint unausweichlich. Da nützen auch Brandbriefe von Bundestagsabgeordneten an die Bankchefs oder flammende Ministerappelle wenig - es geht um die Existenz der Banken, und es geht um die Vermeidung einer zweiten Pleitewelle in der Finanzindustrie. Das wissen auch die Aufsichtsbehörden. Die Politik sollte sich also an den Gedanken gewöhnen.

Wie kann in einer solch prekären Situation der Finanzbedarf der Wirtschaft gedeckt werden? Erstens über neu zu entwickelnde Wege, das nach wie vor vorhandene private Kapital in die Industrie zu schleusen, und zweitens über den Staat.

In der Bankenkrise vor fünf Jahren, als es vor allem um faule Kredite in Milliardenhöhe ging, gab es eine öffentlich-rechtliche Bank in Frankfurt, die bei der Mittelstandsfinanzierung und bei Finanzinnovationen alle anderen in den Schatten stellte - die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Die damalige KfW-Spitze entwickelte marktgerechte Projekte für kleine und mittlere Unternehmen, etwa bei der Eigenmittelstärkung. Die KfW verhinderte zudem unsinnige Stützungsaktionen für einzelne Unternehmen, die nur Geld verbrannt hätten. Sie war in Deutschland der Kapitalmarktvordenker in einer Phase, in der Banken und Sparkassen vor allem mit sich selbst beschäftigt waren.

Jetzt zeigen sich die dramatischen Folgen der KfW-Schwäche: Sie ist zu sehr angeschlagen, um wieder als Retter aufzutreten. Die Konsequenz ist, dass vom Staat verlangt wird, in die Bresche zu springen. Die Regierungen der Länder und des Bundes dürften in Zukunft häufiger aufgefordert werden, für Bankkredite an Unternehmen zu bürgen. Von den Geschäftsbanken ist derzeit wenig zu erwarten: Sie kämpfen ums nackte Überleben.

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