Die Zusammenarbeit der Deutschen Bank
mit der Billigbörse Chi-X ist in mehrfacher Hinsicht ein interessantes Signal. Im Grunde ist es der letzte Schritt in der Abkehr von ihrem Ziehkind, der Deutschen Börse
. Begonnen hat dieser Prozess, als Hedge-Fonds die Börse 2006 faktisch übernahmen und Deutschbanker Rolf Breuer aus dem Aufsichtsrat verjagten. Offenbar ist man bei der größten Bank hierzulande nicht mehr bereit, einem sensationell profitablen Börsenkonzern hohe Gebühren zu bezahlen, nur damit das Geld direkt an die Hedge-Fonds ausgezahlt wird. Da wickelt man die Geschäfte lieber über Plattformen ab, die nicht an der Börse sind und von Banken kontrolliert werden. Derzeit also über Chi-X, demnächst vermutlich auch über Turquoise, an dem das Institut schließlich auch selbst beteiligt ist.
Die Gebühren der etablierten Börsen müssen den Großbanken schon mächtig stinken, dass sie sich auf diese Art und Weise zusammenraufen. Denn schließlich gönnt man sich sonst im täglichen Kampf um Kunden kaum den Schmutz unter den Nägeln.
Wir werden also in nächster Zeit ein interessantes Fingerhakeln beobachten können. Wie weit muss die Börse auf die Banken zugehen, damit der Zusammenhalt der Institute zerbröselt? Wie viel Spielraum kann Börsenchef Reto Francioni sich dafür bei seinen Großaktionären aus der Hedge-Fonds-Branche beschaffen?
Nur auf den ersten Blick ist das alles vor allem Francionis Problem. Hat er keinen Erfolg, so ist der Finanzplatz Frankfurt der Leidtragende. Denn eine Börse, der die Kunden weglaufen und der der nötige finanzielle Spielraum für die Weiterentwicklung fehlt, wird auf Dauer ins Hintertreffen geraten. Dann hätte die Deutsche Bank
vermutlich ein dickes Eigentor geschossen.
