Keine Frage, den großen Industriestaaten blieb nach den Chaoswochen an den Finanzmärkten keine andere Wahl, als die Geschicke der krisengeschüttelten Bankenbranche mehr oder weniger zu übernehmen. Nur so gibt es eine Chance, die eingefrorenen Kapitalmärkte wieder aufzutauen. Extreme Zeiten fordern extreme Maßnahmen.
Aber wie geht es jetzt weiter? Wie soll sich der Staat als Großbankier verhalten? Auf diese Frage gibt es beidseits des Atlantiks unterschiedliche Antworten. Die USA wollen den Banken am ehesten mit dem Kauf sogenannter Vorzugsaktien unter die Arme greifen. Die sichern zwar eine Dividende, verfügen aber über kein Stimmrecht. Wenn es so kommt, dann macht Finanzminister Paulson ein eindeutiges ordnungspolitisches Statement. Der Staat hilft, aber er mischt sich in die Geschäfte der Banken so wenig wie möglich ein.
Ganz anders sieht die Sache in Großbritannien aus. Premierminister Gordon Brown wird de facto zwei der größten Banken des Landes verstaatlichen und pumpt knapp 40 Milliarden Pfund in die angeschlagenen Geldhäuser. Aber zu harten Konditionen: keine Dividenden, personelle Konsequenzen, neue Regeln für die Boni, Verpflichtung zur Kreditvergabe an Unternehmen, Rückbau des Investment-Bankings. Viel stärker kann man sich kaum einmischen.
Auf den ersten Blick hat diese Lösung eine ganze Menge für sich. Der Staat kauft mit Steuergeldern Bankanteile und riskiert damit viele Milliarden. Dann muss er doch wie jeder andere Aktionär das Recht haben, über die Geschicke der Unternehmen mitzubestimmen. Ist es nicht ein bisschen viel verlangt, wenn die Politiker nicht nur den Karren aus dem Dreck ziehen, sondern auch noch demselben Fahrer das Steuer überlassen sollen?
Solche Überlegungen sind nur zu verständlich, aber die Lage ist komplexer. Denn leider ist es eher unwahrscheinlich, dass sich der Staat als der bessere Banker entpuppt. Es besteht vielmehr die Gefahr, dass die Beamten in den Finanzministerien nach dem Schock der vergangenen Wochen Innovationskraft und Risikohunger der Banken völlig abwürgen und damit den Weg aus der Krise noch länger und mühsamer machen, als er ohnehin schon sein wird.
Außerdem kommt es zu massiven Anreizproblemen, sobald der Staat mehr als eine Bank kontrolliert. Wie sollen diese Institute miteinander und mit dem noch nicht verstaatlichten Rest der Branche in Wettbewerb treten? Als knallharte Konkurrenten, die nach den Gesetzen des Marktes um jeden neuen Klienten kämpfen und damit den Kunden die besten Konditionen sichern? Oder ist die Effizienz des Marktes plötzlich gar nicht mehr so wichtig? Vielleicht kommen die Politiker ja zu dem Schluss, dass ein bisschen weniger Konkurrenz gar nicht so schlecht ist. Schließlich könnten sich die Banken dadurch höhere Gewinne sichern und damit ihre ramponierten Bilanzen aufpolstern. Banken, an denen der Staat beteiligt ist, werden sich wohl günstiger refinanzieren können als die private Konkurrenz - in diesen Zeiten ein ebenso großer wie unfairer Vorteil.
Aus dieser ordnungspolitischen Zwickmühle gibt es kein leichtes Entkommen. Deshalb sollten die Politiker dafür sorgen, dass ihre Karriere als Banker so kurz wie möglich ausfällt. Je schneller sich der Staat wieder zurückzieht, desto besser für alle Beteiligten.
