161 Bewertungen ****
10.10.2008 
Börsen-Crash

Notwendige Korrektur

von Matthias Eberle

Die Aktienkurse rasen in die Tiefe. Ein Blick auf die US-Wirtschaft zeigt warum. Amerika steht vor einer tiefen Rezession, die weitere Korrekturen an den Börsen nach sich ziehen muss.

Die teuersten Rettungspakete helfen nicht, konzertierte Zinssenkungen von Amerika über Europa bis China verpuffen wirkungslos, selbst angekündigte Staatsbeteiligungen bei US-Banken bringen mehr Panik als Ruhe in den Markt. Machen wir uns nichts vor: Die Weltbörsen stehen am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Ist er erklärbar?

Nein, wenn man sich die Fundamentaldaten in Deutschland anschaut. Aber ja doch, wenn man auf das Epizentrum der Finanzkrise blickt. Das Misstrauen gegenüber Banken an der Wall Street ist ungebrochen, aber das ist nur ein Teil der Antwort.

Was die Investoren in den USA jetzt darüber hinaus "einpreisen", wie es im Börsianerdeutsch heißt, ist eine tiefe Rezession in der weltgrößten Volkswirtschaft, für die es durchaus ernst zu nehmende Hinweise gibt: Die Autoindustrie mit General Motors an der Spitze ist seit Monaten im freien Fall, weil die Zeit waghalsiger Autofinanzierungen unvernünftig war und ein für alle Mal vorbei ist. Die Unternehmen haben sich einen künstlich aufgeblähten Markt geschaffen, der vermutlich auf Jahre hinaus keinen Nachschub benötigt - so lange, bis serienreife alternative Antriebe zum Neukauf anregen.

Das Ende des Schulden-Shoppings hat im Häusermarkt begonnen, jetzt frisst sich die Krise über den Automarkt in viele weitere Bereiche des US-Konsums. Viele Millionen Amerikaner werden sparen müssen, so sie das mit Blick auf hohe Privatschulden überhaupt können. Das Weihnachtsgeschäft, für viele Unternehmen die wichtigste Phase des Jahres, muss nach 17 Jahren wie im Shopping-Rausch ernüchternd ausfallen. Entlassungen stehen vor der Tür und gewiss auch Firmenpleiten, an die heute noch niemand denken mag.

Damit fällt neben dem Schlüsselsektor Finanzen auch Amerikas wichtigste Konjunturlok aus, wie die jetzt anlaufende Berichtssaison der US-Konzerne zum dritten Quartal zeigen wird. So absurd es klingt: Amerikas Börsen sind auch nach dem rapiden Kurssturz der vergangenen Tage noch nicht günstig bewertet. Weil die Gewinnerwartungen der Analysten wie in den Quartalen zuvor hoffnungslos optimistisch sind, drohen in vielen Bereichen böse Überraschungen. Sie werden das Kurs-Gewinn-Verhältnis im Börsenindex S&P 500 deutlich über das derzeit akzeptable Niveau von zwölf heben - und damit weiteren Korrekturbedarf auslösen.

Es fällt schwer, sich nach einer ausgelassenen Party mit Kopfschmerzen zu quälen. Dabei gilt nüchtern festzustellen: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Ausverkauf von Aktien in den nächsten Tagen weitergehen wird, ist nicht eben gering. Ein Blick in die Geschichtsbücher lehrt, dass Börsen nach einem Schock etwa zwei Monate benötigen, bis sie sich stabilisieren. Bis dahin gilt die Devise: Augen zu und durch - und bloß nicht in Panik verfallen. Die ist bekanntlich der schlechteste Ratgeber.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Zuletzt besucht / gesucht

Anzeige

HANDELSBLATT ANALYSTENCHECK

NAME EINSTUFUNG  DIFFERENZ
NOKIA OYJ  buy +19.09%
INFINEON TECHNOLOGIES...  neutral -34.36%
MAN AG  buy +57.53%
PEUGEOT SA  buy +57.14%
VINCI  buy +86.06%
MICHAEL PAGE INTERNAT...  sell +8.10%
SMITH(DS)  buy k.A.
ALEO SOLAR AG  neutral +10.67%
DEUTSCHE LUFTHANSA...  buy +34.94%
MAN AG  buy +57.53%