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18.08.2008  | Aktualisiert 18.08.2008, 16:08 Uhr 
Rohstoffe

Nur eine Korrektur

von Regine Palm

An den internationalen Rohstoffmärkten haben die Bären das Kommando übernommen: Viele Investoren setzen nun eher auf fallende als auf steigende Preise. Erste Stimmen sprechen bereits von einer grundlegenden Trendwende an den Welt-Warenmärkten oder sogar von einem Ende des "Superzyklus", der im Jahr 2002 begonnen hat. Doch noch ist Vorsicht angebracht, bislang handelt es sich lediglich um eine Korrektur vorangegangener Übertreibungen.

Viele Rohstoffe haben in den zurückliegenden vier Wochen kräftige Preisrückgänge verzeichnet. Gleichwohl zehren diese Verluste bei den meisten Grundstoffen nur einen kleinen Teil der vorangegangenen Gewinne auf. Dies zeigt sich beispielsweise an den Energiemärkten. Die Rohölpreise sind von ihren Rekordständen bei über 147 Dollar auf aktuell gut 110 Dollar gefallen. Anfang vergangenen Jahres kostete ein Barrel Rohöl (159 Liter) aber gerade einmal knapp 60 Dollar.

Trotz aller Unwägbarkeiten - etwa die Kreditkrise in den USA und die sich abzeichnende wirtschaftliche Eintrübung - waren die Rohstoffpreise seit dem Jahr 2002 praktisch unaufhörlich gestiegen. Das Tempo dieses Anstiegs hatte sich Mitte vergangenen Jahres noch einmal deutlich verstärkt. Damit waren die "Commodities", die neu gefundene Anlageklasse, im Vergleich zu anderen Anlagekategorien inzwischen schlicht überteuert; ihr Gewicht in den Portfolios der Investoren war überhöht. Die Korrektur zeigt also lediglich, dass die Märkte funktionieren; zuvor gesehene Übertreibungen werden korrigiert.

Korrigiert - besser gesagt: umgedreht - wurde damit insbesondere der starke Zufluss spekulativer Gelder in Märkte, die bis dahin vor allem den industriellen Abnehmern und Verarbeitern von Rohstoffen vorbehalten waren. Denn diese ursprünglichen Abnehmer der Rohstoffe haben sich angesichts der überzogenen Preise mit ihren Käufen immer mehr zurückgehalten.

Dies zeigt sich beispielsweise beim Gold: Im zweiten Quartal war die für das Edelmetall immens wichtige Schmucknachfrage ungewöhnlich schwach. Nach jüngsten Daten des World Gold Councils ist die Goldnachfrage in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten um über 15 beziehungsweise mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Nun könnten aber gerade diese Rohstoffverbraucher wieder an die Märkte zurückkehren und die niedrigeren Preise für notwendige Käufe nutzen.

Wenig überzeugend ist in diesem Zusammenhang das Argument, dass eine wirtschaftliche Abschwächung in den USA und in Europa die Rohstoffpreise auf eine längere Talfahrt schicken wird. Hier zeigen die Akteure an den Finanzmärkten sogar eine gewisse Unlogik. Denn wenn die Investoren tatsächlich die konjunkturelle Abschwächung als Begründung für ihre Abkehr von Rohstoffen ins Feld führen, warum wenden sie sich dann den Aktienmärkten zu? Von dem Abzug der Gelder aus den Rohstoffen haben ganz besonders die Aktien profitiert. Leiden die Unternehmen neuerdings nicht mehr unter einer schwächeren Konjunktur?

Und selbst wenn die Nachfrage der industriellen Verbraucher konjunkturbedingt schrumpft, würde dies die Rohstoffpreise zwar bremsen, aber noch keine Abkehr vom "Superzyklus" bedeuten. Schließlich gibt es neben der Spekulation, die Preisentwicklungen in die eine wie in die andere Richtung überzeichnet, inzwischen eine Gruppe langfristig orientierter Investoren. Sie nutzen ihre Rohstoffengagements vor allem zur Risikostreuung in ihren Investmentportfolios. Eine grundlegende Änderung der Beimischung von Grundstoffanlagen unter langfristigen Gesichtspunkten zeichnet sich aber noch nicht ab.

Gegen ein Ende des "Superzyklus" spricht zudem unverändert die hohe Nachfrage der aufstrebenden Schwellenländer wie China und Indien nach Rohstoffen. Sicher würde eine konjunkturelle Delle in den USA und in Europa auch hier Spuren hinterlassen. Doch verglichen mit den etablierten Industrieländern, haben diese aufstrebenden Länder bislang nur einen recht geringen Anteil am weltweiten Rohstoffverbrauch, der allerdings konstant steigt. Eine Umkehr dieses Trends ist nicht in Sicht.

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