Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Das hat sich die staatseigene KfW Bankengruppe am Ende gesagt und ihre Mehrheitsbeteiligung an der Mittelstand IKB an den Finanzinvestor Lone Star veräußert. Viel Geld gebracht hat der Verkauf nicht.
Die Politik stimmte zu. Die Entscheidung trägt bereits die Handschrift des neuen Chefs der Staatsbank, Ulrich Schröder, der sich keine immer wieder aufkommenden Diskussionen und Probleme im Zusammenhang mit der IKB aufhalsen wollte. Denn wirklich Geld gebracht hat der Verkauf nicht, nachdem die Risiken weitgehend von der KfW geschultert wurden und werden. Im Gegenteil: Die KfW musste Milliarden über Milliarden in die IKB hineinbuttern; erstmals in ihrer Geschichte schrieb sie im vergangenen Jahr sogar selbst Verluste.
Die Malaise hatte bereits begonnen, als die IKB vor Jahren die KfW zur Hilfe rief, um unliebsame Aktionäre aus dem Ausland aus der Bank herauszuhalten. Das Zauberwort Mittelstand gefiel der Politik. Mit der eigenen Bank mischte man groß in diesem Bereich mit. Denn: Die Kreditversorgung für den Mittelstand über den wichtigen Spieler IKB musste gewährleistet werden. Als ob Ausländer das nicht genauso gut gemacht hätten.
Was zählt, ist im In- wie im Ausland, bei Banken wie bei Industrieunternehmen: Geld müssen sie verdienen. Das allerdings gelang den Düsseldorfern in den letzten Jahren nicht mehr, weil plötzlich alle heimischen Banken den Mittelstand entdeckt hatten und die Ertragsmargen durch den verschärften Wettbewerb verfielen. Der vermeintliche Ausweg führte die IKB zu hochrisikoreichen außerbilanziellen Geschäften und geradewegs in den Untergang.
Gleichzeitig zog die IKB die KfW mit in den Strudel. Als Großaktionär musste sie Verantwortung übernehmen. Zweifellos. Doch die Risiken, die sie letztlich geschultert hat, waren zu schwer. Was war mit den privaten Aktionären der IKB? Die waren und sind bis auf den Kursverfall ihrer Aktien fein heraus. Auch sie hätten eine größere Last schultern müssen! Auch die Bankenaufsicht kommt quasi ungeschoren davon. Denn es kann keine Aufsicht ungerührt zusehen, wie Banken über Geschäft außerhalb der Bilanz ein großes Rad drehen, das nichts, aber auch gar nichts mit ihrem eigenen Geschäft zu tun hat und nur eine Wette auf eine normale Zinsentwicklung am Markt ist. Persönliche Konsequenzen sind aber Fehlanzeige.
Eine Aufsicht aus einem Guss von Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und Bundesbank ist nötig. Das hat sich gezeigt. Doch trotz der jüngsten Reform arbeiten die beiden noch lustig nebeneinander her. Auch der Politik sollte endlich klar sein: Von Bankgeschäften versteht sie nichts. Davon soll sie die Finger lassen, damit die Profis - auch in der KfW - in Ruhe arbeiten können. Das ist für alle das Beste.
