Die US-Regierung hat dem Versicherer AIG
die helfende Hand des Staates gereicht. Dass dafür wiederum die amerikanische Notenbank missbraucht wird, ist jedoch misslich. Die Fed kann nicht Währungshüterin, Staatsbank für Notfälle und Finanzaufsicht zugleich sein. Diese drei Rollen bringen so viele Interessenkonflikte mit sich, dass die Notenbank am Ende keiner ihrer Aufgaben voll gerecht werden kann.
Es wird Zeit, dass die US-Regierung das Krisenmanagement selbst in die Hand nimmt und nicht der Fed den Schwarzen Peter zuweist. Nur wenn sie sich offen zu einer Auffanglösung bekennt, können die Finanzmärkte die berechtigte Hoffnung schöpfen, dass der Flächenbrand doch noch unter Kontrolle zu bringen ist.
Die Entscheidung, AIG
nicht untergehen zu lassen, war richtig. Ohne den staatlichen Rettungseinsatz in letzter Minute wäre es vermutlich zu einer Kernschmelze des Weltfinanzsystems gekommen. Der neuerliche Staatseingriff ist zwar ein ordnungspolitischer Sündenfall und birgt das erhebliche Risiko, dass auch andere Finanzinstitute sich auf die helfende Hand der Regierung verlassen. Wir sind jedoch jetzt an einem Punkt angelangt, wo die Politik mit einer Brandmauer den Flächenbrand auf den Finanzmärkten stoppen muss.
Jetzt muss es darum gehen, für das Krisenmanagement des Staates eine erkennbare langfristige Strategie zu entwickeln, die über den täglichen Feuerwehreinsatz hinausweist. Wenn der Staat wie bisher von Brandherd zu Brandherd eilt, wird er das Großfeuer nie unter Kontrolle bekommen. Die Krise wird sich immer wieder den schwächsten Punkt suchen und wieder aufflammen. Weder die Verstaatlichung der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae
und Freddie Mac
noch das Todesurteil über Lehman
Brothers haben den Feuersturm gebremst.
Experten in den USA schlagen deshalb eine staatliche Auffanggesellschaft vor, die den Giftmüll der Subprime-Krise übernimmt und über mehrere Jahre hinweg entsorgt. Die Blaupause dafür liefert die sogenannte Resolution Trust Corp., die Ende der 80er-Jahre die Savings&Loan-Krise in Amerika erfolgreich beendet hat. Mit einem solchen Trust würde der Wertverfall der Hypothekenprodukte gestoppt und die Liquidität auf den vereisten Kreditmärkten wiederhergestellt.
Faktisch hat die US-Regierung im Falle von Fannie und Freddie sowie bei AIG
diesen Weg bereits eingeschlagen. Was jetzt wie eine Rettung aussieht, wird vermutlich in einer Abwicklung enden. Der Preis für die betroffenen Institute ist hoch. Sie verlieren ihre Selbstständigkeit und werden - wenn überhaupt - nur noch ein Randdasein führen. Die staatliche Rettung ist, wenn sie zu solchen Konditionen angeboten wird, kein Freibrief für Hasardeure.
Es wäre sicherlich besser gewesen, die Finanzbranche hätte eine solche Lösung mit eigenen Mitteln auf die Beine gestellt. Doch sowohl bei Lehman
als auch jetzt bei AIG
hat sich gezeigt, dass die noch halbwegs gesunden Banken eine derartige Last nicht mehr schultern können. Für eine Branchenlösung wie bei der Rettung des Hedge-Fonds LTCM vor zehn Jahren ist es längst zu spät.
