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21.07.2008  | Aktualisiert 21.07.2008, 17:52 Uhr 
Banken

Schwache Argumente

von Frank Wiebe

Wer ein Spiel gewinnen will, sollte die Regeln zu seinen Gunsten gestalten. Unter dieser Maxime stehen die Bemühungen von Banken, Aufsehern und Politikern, die alle auf ihre Art Konsequenzen aus der internationalen Finanzkrise ziehen wollen.

Die EU hat jetzt einige Vorschläge gemacht. Am griffigsten ist dabei die Idee, bei Kreditverkäufen festzulegen, dass der Verkäufer zehn Prozent des Risikos in den eigenen Büchern behalten muss. Die Finanzbranche läuft Sturm dagegen. Aber ihre Argumente sind schwach.

Das massive Weiterreichen von Krediten war einer der Auslöser der Krise. Es hat dazu geführt, dass Darlehen teilweise ohne vernünftige Risikoprüfung ausgereicht wurden, weil ohnehin nicht geplant war, das Risiko selbst zu behalten. Diese Praxis war ausschlaggebend dafür, dass die amerikanischen Institute die Probleme, die sie auf ihrem Immobilienmarkt heraufbeschworen haben, rund um die Welt exportierten.

Viele Banken und Fonds haben ihre Kreditpakete gekauft, ohne den Inhalt zu prüfen. In den USA selbst sind die mit Abstand größten Kreditkäufer zwei gewaltige, halbstaatliche Institute, Fannie Mae und Freddie Mac. Sie müssen jetzt zulasten des Steuerzahlers aufgefangen werden. Im Endeffekt hat der Kreditverkauf also in den USA eine riesige Maschine dargestellt, mit der die Wall Street reich wurde und die Probleme beim einfachen Bürger gelandet sind.

Vor diesem Hintergrund war es ohnehin überraschend, mit welcher Selbstverständlichkeit die Bankbranche immer wieder betont und wiederholt hat, trotz allem sei der Verkauf von Krediten unverzichtbar für die moderne Finanzwelt. Wenn die moderne Finanzwelt so aussieht, wollen wir dann nicht lieber darauf verzichten? Außerdem sollten die Geldhäuser einen Blick auf die Versicherer werfen. Aus gesundem Misstrauen heraus würde kein Rückversicherer ein Großrisiko übernehmen, von dem der andienende Geschäftspartner nicht wenigstens einen Teil selber behalten will. Versicherer sind aber durchaus auch eine moderne Branche. Vielleicht besteht das Grundproblem der Banken darin, dass sie, anders als die Versicherer, bisher gar keine richtige Risikokultur entwickelt haben.

Die internationalen Großbanken selbst haben vor kurzem ja auch Vorschläge für eine bessere Finanzwelt vorgelegt. Dabei blieb aber vieles unverbindlich. Am spektakulärsten war ihr Vorschlag, die bestehenden Bilanzregeln in einzelnen Fällen aufzuweichen, damit die Probleme, wenn sie schon einmal da sind, wenigstens nach außen nicht so deutlich sichtbar werden. Wer einen solchen Kurs fährt, darf sich nicht beschweren, wenn die Politiker eigene Vorschläge präsentieren, die weitaus unbequemer sind.

Banken und Politik sollten versuchen, sich auf möglichst wenige, wirksame, verständliche und für jeden verbindliche Regeln zu einigen. Der Zehn-Prozent-Vorschlag der EU geht genau in diese Richtung. Die Banken sollten sich daher konstruktiv damit auseinandersetzen und daran mitarbeiten, weitere vernünftige und klare Regeln zu finden. Unsinnige und kompliziertere Vorschläge kommen sicherlich noch von allein auf den Tisch - gegen die können sie ja dann Sturm laufen.

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