100 Tage nach Hurrikan „Katrina“
Wohnungsnot in New Orleans

Nach elf Monaten Panzerpatrouille in Bagdad kehrte Thomas Marr gerade noch rechtzeitig nach Hause zurück, um die Zwangsräumung seines Viertels in einem Vorort von New Orleans mitzuerleben. Die Besitzerin des Geländes, auf dem Marr und seine Familie in einem Wohnwagen lebten, will das Grundstück gegen den Willen der Anwohner komplett räumen und planieren lassen.

HB HOUSTON. Ihr Argument: Der Wirbelsturm Katrina habe die Behausungen so stark mitgenommen, dass der Großteil ohnehin nicht mehr zu retten sei. "Ich bin aus einem Kriegsgebiet ins andere gekommen", schimpft der Soldat, der sich jetzt ein neues Leben in Texas aufbauen will. New Orleans - 100 Tage nach der Flut.

Zur gleichen Zeit sucht die Katastrophenbehörde Fema fieberhaft nach freien Grundstücken und Wohnungen, um tausende Hilfsarbeiter und Evakuierte unterzubringen - und bietet dafür teilweise deutlich höhere Preise als bisher in New Orleans üblich waren. Inzwischen häufen sich deshalb die Beschwerden, dass frühere Mieter absichtlich auf die Straße gesetzt würden, damit die Vermieter ihre Räume weit teurer an die Fema weitergeben können.

Tatsache ist: Mietsteigerungen von 100 Prozent sind nicht mehr ungewöhnlich. "Wir haben ein Haus mit drei Schlafzimmern im besser erhaltenen Vorort Metairie für 1 100 Dollar Miete pro Monat angeboten und nach einem erbitterten Bieterkrieg schließlich 1 500 Dollar dafür erzielt", sagt Glenn Gardner, Chef der Maklerfirma Prudential Gardner Realtors. "Vor Katrina kostete es nur 800 Dollar im Monat."

Mieter wie Thomas Marr haben in einer solchen Situation kaum Chancen. Das Gesetzbuch von Louisiana sieht vor, dass die Haus- und Grundstückseigentümer ihre Mieter und Pächter auch ohne Angabe von Gründen kurzerhand auf die Straße setzen können, wenn sich die Unterkunft als "zerstört" einstufen lässt. Auch Bewohnern, die ihre Miete im Chaos der vergangenen Monate nicht rechtzeitig gezahlt haben, droht der Rauswurf. Da in den USA Daueraufträge weitgehend unbekannt sind und die meisten Schecks mit der Post verschickt werden, sind davon vermutlich Zehntausende betroffen.

Städteplaner befürchten, dass das knappe Angebot und die allgemein gereizte Lage die Mieten weiter in die Höhe treiben werden, so dass Durchschnittsverdiener keine bezahlbaren Unterkünfte mehr finden werden. Die Stadt stehe kurz vor einem zweiten Exodus, meinen sie.

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