600 Millionen Euro: Deutsche Bank verkauft Zentrale an DWS-Fonds

600 Millionen Euro
Deutsche Bank verkauft Zentrale an DWS-Fonds

2007 hatte die Deutsche Bank die im Volksmund "Soll und Haben" genannten Doppeltürme für 275 Millionen Euro erworben. Nun verkauft die Bank die für zusätzliche 200 Millionen Euro sanierten Türme an die konzerneigene DWS.
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FrankfurtDie Deutsche Bank wird ihre Zentrale in Frankfurt an die eigene Fondstochter DWS verkaufen, die damit einen geschlossenen Immobilienfonds für Privatanleger auflegen wird. Der Verkaufspreis werde bei rund 600 Millionen Euro liegen, kündigte das Institut an. Geschlossene Immobilienfonds sind Kommanditgesellschaften, an denen die Anleger sich als Kommandititsten, die nur mit ihrer Einlage haften, beteiligen.

Der Fonds soll im Mai auf den Markt kommen. Als Zielausschüttung werden im Umfeld des Instituts fünf Prozent genannt. Weil der Ankauf noch nicht endgültig besiegelt ist, halten sich Bank und DWS mit Detailsinformationen zurück und äußern sich auch nicht zur Laufzeit des Mietvertrages. Da das  mit Zertifikaten für nachhaltiges Bauen ausgezeichnete Gebäude auf die Bedürfnisse der Deutschen Bank zugeschnitten ist, dürfte der Mietvertrag die in solchen Fällen typische Laufzeit von 15 Jahren haben.

Unbestätigten Gerüchten zufolge entprechen die 600 Millionen Euro  annähernd dem 19-Fachen der Jahresnettokaltmiete. Das entspricht einer Ankaufsrendite von 5,25 Prozent. Sie würde sich damit im Rahmen der bekannten Ankaufsrenditen bewegen. Da Gebäudebewirtschaftung und Fondsverwaltung Kosten verursachen, muss die Ankaufsrendite höher sein als die Ausschüttungen auf das Eigenkapital. Auch das Fondsvolumen, das wohl zur Hälfte kreditfinanziert sein wird, wird höher sein. Denn die Anleger zahlen Gebühren für die Strukturierung und Vertriebskosten für den Fonds mit.

Der Verkauf an die eigene DWS war erwartet worden. Solche Verkäufe provozieren Anlegerschützer. Die Bank muss nun den Verdacht zerstreuen, sie bereichere sich durch einen teuren Verkauf zu Lasten von Privatanlegern. Die Bank hatte das Objekt vor Jahren für 271 Millionen Euro gekauft, nach eigenen Angaben für weitere 200 Millionen Euro saniert und darüber hinaus erheblich in die Technik investiert. Ein Sprecher der Bank bezeichnete den Preis als „marktgerecht“. Beide Seiten sichern sich durch unabhängige Wertgutachten gegen Vorwürfe ab.

Dem Vernehmen nach war das Gebäude auch außerhalb des Konzerns angeboten worden. Wenn die Bank auch nicht am Verkauf verdient, so doch aus Provisionseinnahmen für den Vertrieb sowie Gebühren für die Strukturierung die laufende Fondsverwaltung.

Die Deutsche Bank wird nicht die einzige Gesellschaft bleiben, die ein eigenes Gebäude über eine Fondstochter an Privatpersonen verkauft. Der börsennotierte Bonner Gewerbeimmobilienspezialist IVG hat angekündigt, die eigene Projektentwicklung „Squaire“, früher „Airrail-Center“ genannt, am Frankfurter Flughafen, in einen geschlossenen Immobilienfnds einzubringen. 

Kommentare zu " 600 Millionen Euro: Deutsche Bank verkauft Zentrale an DWS-Fonds"

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  • ... dann bleibt ja alles beim Prinzip "rechte Tasche - linke Tasche". Da haben etliche -offene- Immobilienfonds Probleme, weil die Einkaufspreise beim Verkauf nicht mehr zu realisieren sind - und der DWS kauft zu einem (überhöhten?)
    Preis, und "verscherbelt" das dann als geschlossenen Fonds an die DB-Kunden - Klasse

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