Abzug der US-Armee
Darmstadt: Den Wandel vor Augen

Seit vier Jahren weiß man in Darmstadt, dass die amerikanischen Streitkräfte die Stadt binnen eines Jahrzehnts verlassen werden. Die Folge: Etwa 300 Hektar ehemaliger Kasernen-, Übungs- und Wohnfläche werden frei und suchen neue Nutzungen. Dass Darmstadt bei der Umwidmung der Flächen vor allem an die Entwicklung von Wohnraum denkt, ist kein Zufall.

DARMSTADT. Die so genannte Konversion der ehemaligen Militärflächen birgt Chancen, zumal 122 Hektar auf innerstädtische Areale mit hohem Entwicklungspotenzial entfallen. Dort wünscht man sich vor allem neue Wohnungen, deshalb will die Stadt die Umwidmung der Flächen bereits im Vorfeld steuern, sagt der Leiter des städtischen Amtes für Wirtschaftsförderung, Michael Kolmer. 500 bis 600 neue Wohnungen im Jahr seien das erklärte Ziel.

Dass Darmstadt bei der Umwidmung der Flächen vor allem an die Entwicklung von Wohnraum denkt, ist kein Zufall. Die 141 000-Einwohnerstadt gehört zu den Demografie-Gewinnern in Deutschland. Allein in den Jahren 2003 bis 2008 wuchs die Bevölkerung der Wissenschaftsstadt um 3 000 Menschen, also 500 im Jahr. Der aktuelle Demografie-Bericht geht von einer jährlichen Bevölkerungszunahme von 400 Menschen bis zum Jahr 2020 aus. Würde die Prognose eintreten, müssten pro Jahr etwa 600 neue Wohnungen gebaut werden.

Inzwischen hat die US-Army wesentliche Konversionsareale in Darmstadt an die Bima Bundesanstalt für Immobilienaufgaben für die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland zurückgegeben. „Damit sind bis auf das Nathan-Hale-Depot und den Trainings-Komplex am Rand der Griesheimer Gemarkung alle ehemaligen Army-Flächen in Darmstadt in das Eigentum der Bima übergegangen. Der Konversionsprozess kann nun in die operative Phase eintreten“, sagt Rita Drude, Hauptstellenleiterin Verkauf bei der Bima. Ziel der Stadt ist es, die Grundstücke auf Basis eines Gesamtkonzeptes peu à peu an den Markt zu bringen.

Zwar steht die Entwicklung von Wohnraum ganz oben auf der Agenda. Neue Gewerbeansiedlungen wären auf den Flächen aber ebenfalls möglich. Und hier besitzt Darmstadt bereits eine erstaunliche Expertise. Bereits in den 90er Jahren hat die Stadt erfolgreich Konversionsprojekte umgesetzt, damals unter anderem das „Europäische Viertel“ westlich des Hauptbahnhofs. Dieser Standort am Stadteingang litt Jahre lang unter seinem kasernenartigen Erscheinungsbild mit hohen Mauern und Sicherheitszaun. Binnen weniger Jahre ist an dieser Stelle ein erfolgreiches Hightech-, Forschungs-, Dienstleistungs- und Bürozentrum entstanden.

Die Entwicklung des Viertels verlief zweigeteilt: Aus dem ehemaligen Produktionsgelände von Robert Bosch, Flächen der Stadt Darmstadt sowie des Landes Hessen westlich des Hauptbahnhofs ging das Europaviertel hervor. Die ehemalige Kavalleriekaserne sowie das spätere Gelände des Fernmeldetechnischen Zentralamtes (FTZ) südlich der Rheinstraße wurden in das „Technologie-Zentrum (TZ) Rhein Main“ umgebaut.

Das wächst auch heute noch munter weiter. Wer sich von der A5 aus Darmstadt nähert, kann die gerade fertig gestellten Bürogebäude und das neue Parkhaus mit dem Schriftzug „TZ Rhein-Main“ kaum übersehen. Auf dem 20 Hektar großen Areal ist eine kleine Dienstleistungsstadt mit rund 8 000 Mitarbeitern entstanden. „Dies sind beste Voraussetzungen für einen zukunftsgerichteten Bürostandort“, findet Burkhard John, verantwortlich für den Bereich Development bei Corpus Sireo. Ganz anders habe der Ort noch vor acht Jahren ausgesehen. Damals war das Gelände Sitz des Fernmeldetechnischen Zentralamts und geprägt durch ehemalige Kasernengebäude sowie einige 70er-Jahre-Bauten.

Die Deutsche Telekom gab den Startschuss für die Neuentwicklung, denn sie entschied sich damals für den Bau eines neuen Unternehmenssitzes für ihre Tochter T-Online. Und auch in den letzten 18 Monaten gab es viel Bewegung. Die Deutsche Telekom gab drei Mietflächen in älteren Bestandsgebäuden auf und zog mit 750-T-Systems-Mitarbeitern in das jüngst fertig gestellte Bürogebäude „Das Auge“, eine Hochtief-Projektentwicklung mit 15 000 Quadratmetern Mietfläche. In diesem Jahr steht unter anderem der Neubau eines Ärzte- und Fitnesszentrums auf dem Programm. Nach Aussage von John wird die Gesamtentwicklung noch bis zum Jahr 2014 fortgesetzt. Auch sollen weitere Neubauten für Mieter außerhalb des Telekom-Konzerns entstehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%