„Achse“ der Romantik
Hessen kauft Brentano-Haus

Goethe und die Brüder Grimm: Die Liste der dichtenden Gäste im Brentano-Haus ist lang. Jetzt hat das Land das Anwesen gekauft. Es soll Baustein werden für die Wiederbelebung der deutschen Romantik in Hessen.
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Oestrich-WinkelVon einer „Achse“ der deutschen Romantik schwärmt schon Hessens Kunstminister Boris Rhein: Nach jahrelangen Verhandlungen hat das Land das Brentano-Haus im Rheingauort Oestrich-Winkel endgültig für die Nachwelt gerettet. Am Freitag setzte der CDU-Politiker die symbolische Unterschrift unter den Kaufvertrag.

Hessen hat das kulturhistorische Denkmal, einst Zentrum der deutschen Rhein-Romantik, für 1,2 Millionen Euro erworben. Inklusive des weitgehend erhaltenen historischen Mobiliars. Zusammen mit dem geplanten Romantik-Museum in Frankfurt, das 16 Millionen Euro kosten soll, sowie dem Landschaftspark des Grafen von Ostein oberhalb von Rüdesheim soll des Brentano-Haus zum romantischen „Dreiklang“ (Rhein) mit bundesweiter Ausstrahlung werden.

In dem 1751 errichteten Haus, Sommersitz der Frankfurter Kaufmannsfamilie Brentano, weilten einst die Brüder Grimm und Goethe. Er hat vor genau 200 Jahren im Brentano-Haus Gedichte für seinen „West-östlichen Divan“ verfasst, die Schreibstube ist mit Originalmöbeln noch erhalten. Der Dichterfürst war 1814 bei den Brentanos mehrere Wochen zu Besuch. Zur Familie gehören die bekannten Romantik-Dichter Bettina von Arnim (geborene Brentano) und Clemens Brentano, die Geschwister waren.

Das stark baufällige Haus gehörte zuletzt Udo Baron von Brentano, einem Winzer, der Privatführungen organisierte. Rund 2,4 Millionen Euro wird die Sanierung Land und Bund sowie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz kosten. Dann soll das Haus wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Dazu wird eine Trägergesellschaft gegründet aus der Stadt Oestrich-Winkel und dem Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt, der zentralen Forschungsstelle zur deutschen Romantik, die auch für das Frankfurter Goethe-Haus zuständig ist.

Der Baron selbst hatte nach eigenen Worten kein Geld zum Erhalt des Kleinods. An ein glückliches Ende habe er nicht mehr so recht geglaubt, sagte Brentano am Freitag. Die zähen Verhandlungen mit dem Land hätten ihn „zur Weißglut“ gebracht. Er darf im Nebengebäude weiter wohnen bleiben. Und das Land kann künftig den bisher vom Baron exklusiv vermarkteten „Goethe-Wein“ im Haus ausschenken.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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