Aktienkurs seit Jahresanfang halbiert
Patrizia Immobilien kontert Kritik

Die Kurse deutscher Immobilienaktien kennen seit Jahresbeginn nur eine Richtung: abwärts. Besonders hart trifft es Aktionäre der Patrizia Immobilien AG. Der Kurs hat sich seit Jahresanfang halbiert. Analysten raten zum Verkauf der Aktie.

HB DÜSSELDORF. Sie kritisieren unter anderem, dass Unternehmensgründer Wolfgang Egger die erste Kapitalerhöhung nicht mitgezeichnet hat und damit Vertrauen bei den Anlegern verspielt habe. Nun wirbt Egger, der auch Vorstandschef des Unternehmens ist, persönlich um Verständnis. Wohnungsprivatisierung, wie sie die Patrizia betreibe, sei nicht mit dem Vorgehen anderer am Markt zu vergleichen, sagt er. Die eigenen Wohnungen seien hochwertiger als die vieler Mitbewerber und deshalb leichter an den Mieter oder Anleger zu bringen. „In 12 800 unserer 13 500 Wohnungen würden wir selbst wohnen wollen“, sagte Egger dem Handelsblatt.

Kerngeschäft der seit Mai 2006 notierten Patrizia ist die Wohnungsprivatisierung. Wohnungen werden en gros gekauft, teils modernisiert und später an Mieter und Kapitalanleger verkauft. Der größte Teil der Wohnungen war ursprünglich in den Händen von Versicherungen. Ende des vergangenen Jahres kauften die Augsburger Konzerngesellschaften von Münchener Rück und HDI zusammen gut 9 000 Wohnungen – nahezu alle in Ballungsgebieten gelegen. Unter Wohnungsexperten gelten Versicherungsbestände als überdurchschnittlich gepflegt. Deswegen werden für Versicherungswohnungen auch höhere Preisegezahlt als für kommunale Wohnungen.

„Teuer eingekauft“, stellt Torsten Klingner, Analyst bei SRS Research, dennoch fest und rät zum Verkauf der Aktie. Er sieht angesichts von Kaufpreisen in Höhe der achtzehn- und zwanzigfachen Jahresmiete für die Versicherungsportfolios den Weiterverkauf der Wohnungen gefährdet. Zusätzliches Risiko: Wegen steigender Zinsen sinke die Bereitschaft, Wohnungen zu kaufen. Die Finanzierung werde teurer.

Egger sieht es genau andersherum: Steigende Zinsen erhöhten die Privatisierungschance. Er geht davon aus, dass potenzielle Käufer steigende Mieten und zu einem späteren Kaufdatum noch höhere Zinsbelastungen ins Kalkül ziehen. Wie Egger hatte vor vier Jahren Volker Riebel, damals Chef der Deutschen Annington, argumentiert. Doch die Tochter der britischen Private-Equity-Gesellschaft Terra Firma hat ihre Privatisierungsziele trotz gestiegener Zinsen nicht erreicht.

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