Altbau
Städte kennen Gebäudekosten oft nicht

Wenn öffentlich Verantwortliche einmal genau hinschauen, staunen sie oft: für Sanierungen haben sie viel zu wenig einkalkuliert. Eigentlich müssten sich die Kommunen von den Bauten einfach trennen – wenn dies denn politisch möglich wäre.

HB DUISBURG. Viele öffentliche Gebäude sind in die Jahre gekommen und müssten dringend saniert werden. Manche entsprechen nicht mehr dem Bedarf, andere werden gar nicht mehr gebraucht. Für die Modernisierung fehlt das Geld – für den Verkauf oft ein Interessent. Nur selten lassen sich die Bauten der öffentlichen Hand für eine andere Nutzung herrichten. Die so genannte Drittverwendungsfähigkeit fehlt vielfach.

Doch bevor überhaupt über die Zukunft der Gebäude nachgedacht wird, sollten zuerst die Kosten, die sie verursachen, ermittelt werden. Oft würden die Kommunen nicht einmal die Kostentreiber kennen, hat Ingo Deitmar vom Amt für Gebäudemanagement der Stadt Münster beobachtet. "Nach Rentabilität betrachtet stehen die Kommunen bei null", sagt er. So hielt etwa Münster 2006 insgesamt 844 000 Quadratmeter Gebäudeflächen im Bestand. Der Finanzierungsbedarf für 2007 liegt bei 100 Mill. Euro, was 120 Euro je Quadratmeter entspricht. Davon würden laut Deitmar allein für die beiden größten Posten Abschreibungen und Kapitaldienst 21 Mill. Euro bzw. 40 Mill. Euro benötigt.

Der Haushalt sieht aber für den gesamten Bestand lediglich Mittel in Höhe von 25 Mio. Euro vor. Der Investitionsstau bei den Gebäuden ist unterschiedlich hoch. Deitmar kalkuliert: "Im Prinzip müsste sich die Stadt von einem Drittel ihrer Immobilen trennen." Auch ein besseres Gebäudemanagement würde helfen. Effizienterer Energieeinsatz und die Vergabe von Reinigungsarbeiten an Privatfirmen fallen ihm dabei ein.

"Ziel muss ein ausgewogenes Portfolio sein – ausgewogen zwischen Gebäuden, die Finanzmittel verbrauchen und denen, die Finanzmittel freisetzen", sagt Deitmar. Die Portfolio-Analyse, die Deitmar für den gesamten Bestand durchgeführt hat, kam zu folgendem Ergebnis: Immobilien, die geringe Kosten verursachen, aber viel Fläche je Nutzer aufweisen, sollten besser ausgelastet werden. Andererseits sollten sich Kommunen von teuren aber wenig genutzten Gebäuden trennen. Das klingt banal, ist aber in der Praxis gar nicht so einfach. Schulen, in denen Klassenräume leer bleiben, weil wegen sinkender Geburtenraten die Schüler fehlen, sind solche Problemgebäude. "Versuchen Sie mal, eine Schule zu schließen", sagt Deitmar. Eltern sind Wähler und Politiker wollen wiedergewählt werden.


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