Alternative für Privatanleger
Immo-Aktienfonds bringen hohe Renditen

Der Handel mit Immobilienaktien ist in Deutschland eine Veranstaltung für Insider. Wenige Akteure machen wenig Umsatz mit Aktien von Gesellschaften, über die es noch weniger neutrale Informationen gibt. Ein riskantes Segment für Privatanleger. Die Einführung steuerbegünstigter Immobilienaktien, so genannter Reits (Real Estate Investment Trusts) in Deutschland – so sie gelingt – wird dies wohl nicht sofort ändern.

DÜSSELDORF. Kleinanleger sind daher jetzt wie in Zukunft gut beraten, wenn sie auf Investmentfonds setzen. Die streuen das Risiko, indem sie in unterschiedliche Immobilienaktien investieren. Zumindest in den vergangenen zwölf Monaten fuhren Anleger damit nicht schlecht. Europa-Fonds erzielten teils Spitzenrenditen von mehr als 30 Prozent und US-Reit-Fonds kamen zumindest auf zweistellige Performance-Werte.

Das Angebot an Immobilienaktien-Fonds für deutsche Anleger wächst ständig. Heute listen die Fondsbeobachter von Feri Trust 26 Angebote auf, vor fünf Jahren waren es nicht einmal halb so viele. Ihr Fokus liegt teils auf europäischen Gesellschaften, teils auf US-Reits. Diese Reits sind in den USA von der Körperschaftsteuer befreit und müssen dafür mindestens 90 Prozent ihres Gewinns ausschütten, der dann beim Aktionär besteuert wird.

Wer in ausländische Immobilienaktien oder entsprechende Fonds investierte, riskierte früher häufig eine Strafbesteuerung nach dem Auslands-Investmentgesetzes. Zumindest die in Deutschland zugelassenen Fonds haben nach den Worten von Gottfried Krebs, Analyst bei Fund-Market, einem Fondsvertrieb und -vermögensverwalter, dieses Problem in der Regel nicht mehr. Sie erfüllten ihre Berichtspflichten nach dem Investmentsteuergesetz (InvStG). Dazu gehört eine detaillierte Aufstellung über die Zusammensetzung der ausgezahlten oder gutgeschriebenen Erträge. Werden diese Vorgaben nicht erfüllt, muss der Anleger die Ausschüttung sowie 70 Prozent des Wertzuwachses im Kalenderjahr – mindestens aber sechs Prozent des Rücknahmepreises – versteuern.

Mögen US-Reit-Fonds nun in steuerlicher Hinsicht überzeugen – mit Blick auf die Wertentwicklung für europäische Anleger sind Anlageberater skeptisch. Fund-Market-Experte Krebs ist zurzeit das Währungsrisiko zu hoch. Zudem befürchtet er, dass die Zinsen in den USA steigen, was sich nachteilig auf die Reit-Kurse auswirken würde. Rüdiger Sälzle, Vorstand der auf Fondsanalysen spezialisierten Fondsconsult Research AG, ergänzt: "Wenn die Zinsen steigen, relativieren sich auch die hohen Dividendenrenditen der Reits." Was gleichermaßen für europäische Immobilienaktien gilt, wenn auch möglicherweise wohl etwas später eintreffen wird.

Beruhigt sich der Aktienmarkt, würden Anleger womöglich Gelder aus Reits abziehen, was gleichfalls Kursdruck bringen könnte, führt Krebs ein weiteres Argument gegen Reits an und stellt fest: "Wir investieren zurzeit nicht in US-Reit-Fonds." Fondsconsult-Experte Sälzle würde "auch wegen der Bewertung eher in Europa investieren." Ein Nebeneffekt: Weil es in Frankreich und die Niederlande Reit-ähnliche Immobilienaktien gibt, kann auch Reit drin sein, wo nicht Reit drauf steht.

Wer aber zu allererst in Immobilien investieren will, den sieht Krebs beim offenen Immobilienfonds besser aufgehoben, auch wenn dessen Renditen hinter denen der Immobilienaktienfonds herhinken. Ähnlich denkt Analysten-Kollege Matthias Weinbeck von der Sauren Financial Group: "Wir haben Reit-Fonds derzeit nicht in unseren Dachfonds-Portfolios."

Mit Blick auf risikoscheue Anleger sagt Weinbeck: "Offene Immobilienfonds gelten als sicheres, sehr schwankungsarmes Investment." Dahinter steht die Beobachtung, dass Immobilienaktien letztendlich die Bewegungen am Aktienmarkt - wenn auch in abgeschwächter Form - mitvollziehen. Unter den Immobilienfonds favorisiert Weinbeck die jüngeren Angebote. Dass deren höhere Renditen mit der Zeit abschmelzen werden, weil auch die Immobilien der Fonds irgendwann einmal leer stehen, instand gesetzt oder modernisiert werden müssen, ist Weinbeck bewusst. Weswegen er die Haltedauer der Fonds nicht mit den üblichen fünf bis zehn Jahren ansetzt. "Es ist durchaus möglich, dass wir nach zwei bis drei Jahren aussteigen." Was Vermögensverwalter Sauren leicht fällt, weil er im Unterschied zu einem Privatanleger keinen Ausgabeaufschlag zahlt.

Um allein Ausgabeaufschläge von fünf Prozent und mehr aufzuholen, reicht bei den meisten Immobilienfonds zurzeit die Rendite eines Jahres nicht aus. Dagegen schafften die im Wert stärker schwankenden Immobilienaktienfonds dies spielend.

Quelle: Handelsblatt

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