Altersdomizil
Senioren möchten in die City

Bei der Suche nach einem Altersdomizil ist nicht nur die Einrichtung entscheidend, sondern vor allem eine zentrale Lage. Die „Villa Abendfrieden“ ist dagegen nicht mehr so begehrt.
  • 6

DortmundSeniorenresidenz, Altenstift, Pflegeheim, betreutes Wohnen: Wer für sich oder seine Angehörigen einen Altersruhesitz sucht, hat heute die Qual der Wahl. Dabei kommt es nicht nur auf die Bezeichnung oder Ausstattung der Häuser an – zunehmend richten sich die Senioren bei ihrer Entscheidung auch nach der Lage der Residenzen. Die einen wollen den Lebensabend lieber mitten in einer pulsierenden Großstadt verbringen, andere träumen nach einem hektischen Arbeitsleben von der beschaulichen Residenz auf dem Land.

Immerhin 3,7 Millionen Menschen sind heute älter als 80 Jahre; bis 2020 soll diese Zahl auf sechs Millionen anwachsen, hat das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) errechnet. „Es ist ganz wichtig, die persönliche Biographie des Menschen mit in die Entscheidung einzubeziehen“, sagt der Altersforscher Bernhard Mann, Dozent für Sozialmedizin an der Uni Koblenz. „Wer ein akademisches und vielfältiges Leben geführt hat, dem wird es schwerfallen, sich im Alter aufs Land zurückzuziehen.“

Viele Menschen würden mit einem starken Bruch zwischen Berufsleben und Ruhestand nicht glücklich, hat Mann beobachtet. Auch wer sein Leben auf dem Land oder in einer kleinen Stadt verbracht habe, fühle sich oft nicht wohl, wenn er dann im Ruhestand in die Großstadt zieht – auch wenn er davon jahrzehntelang geträumt hat. Und gerade wenn das Gedächtnis im Alter nachlässt, sei es hilfreich, wenn der Wohnsitz „die Identität des alten Menschen stützt“, rät Mann.

Sowohl große Metropolen als auch kleinere Städte und Kurorte können den Senioren dabei einiges bieten und besitzen jeweils eigene Vorteile. Wer sich in einer Großstadt wie Berlin zur Ruhe setzt, kann neben dem kulturellen Programm von Weltklasse auch aus einer großen Zahl von erstklassigen Residenzen wählen – etwa dem Fünfsternehaus Tertianum, wo den Bewohnern sogar ein eigenes Weinabteil im Keller sowie ein Unterhaltungsprogramm im Haus geboten wird; oder dem Uferpalais am Spandauer See in historischem Gemäuer.

Denn oft gilt: Je größer die Stadt, desto größer auch die Auswahl an hochklassigen Residenzen. Das hat einen einfachen wirtschaftlichen Hintergrund, sagt Markus Bienentreu, Geschäftsführer des Immobilien-Beratungsunternehmens Terranus. „Eine Vier- bis Fünfsterneresidenz benötigt auch einen Vier- bis Fünfsternestandort. Denn ein solches Haus rechnet sich erst ab rund 180 Apartments, und dafür muss der Einzugsbereich der jeweiligen Stadt bei mindestens 200000 bis 500000 Einwohnern liegen.“

Kleinere Städte punkten dagegen mit anderen Anreizen: besserer Luftqualität, weniger Anonymität und nicht zuletzt dem preisgünstigeren Angebot an Seniorenwohnungen. Zudem legen sich hier nicht selten auch die Stadtverwaltungen besonders für ihre älteren Mitbewohner ins Zeug: 2010 etwa ging der Stiftungspreis für die „seniorenfreundlichste Stadt Deutschlands“ nicht etwa nach München oder Hamburg – ausgezeichnet wurde Arnsberg in Nordrhein-Westfalen mit gerade einmal 80000 Einwohnern. Hier hatte die Verwaltung unter anderem eine eigene Fachstelle namens „Zukunft Alter“ eingerichtet und eine Seniorenakademie ins Leben gerufen.

Nicht mehr so gefragt wie früher ist dagegen die beschauliche Idylle, die Stadtplaner mit dem Begriff „Villa Abendfrieden“ beschreiben: ein kleines Pflegeheim, abgeschieden vom Trubel der Stadt. „Einfach nur irgendwo, irgendwie, irgendetwas auf der grünen Wiese neu zu bauen, bringt noch lange keine Nutzer“, sagt Stefan Arend, Vorstand des Kuratoriums Wohnen im Alter.

Zudem werde der Wunsch der Senioren nach Natur und Ruhe oft erstaunlich überschätzt, sagen die Experten. „Wenn Sie ein Haus planen, das vorn an eine dreispurige Straße grenzt und hinten zum Wald hinausgeht, sind die Zimmer an der vorderen Seite schneller belegt als die an der ruhigen Seite“, sagt Markus Bienentreu. Der Grund: „Die Leute wollen auch im Alter weiterhin am Leben teilnehmen – und beobachten können, was sich draußen tut.“ 


Kommentare zu " Altersdomizil: Senioren möchten in die City"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Alten von heute sind eben nicht mehr die Alten von gestern. Heutige Senioren wissen sehr genau, was sie wollen und vergleichen ebenfalls sehr genau. Es reicht schon längst nicht mehr, im Alter Ruhe zu haben und sich versorgt zu wissen. Nein, es geht darum, noch einmal durchzustarten und tief in das Leben einzutauchen. Und wo geht das besser als in den Städten. Nicht umsonst wird Berlin immer wiede von Senioren als das neue Mallorca bezeichnet. Leben mitten im Trubel der Gesellschaft ist angesagt. Möglichst viel an Möglichkeiten haben und dann aber selbst entscheiden, ob man es wirklich wahrnimmt, oder nicht. Als Betreiber der Internetplattform Wohnforumplus stelle ich schon seit geraumer Zeit einen starken Trend in die Innenstädte fest. Wobei die Nachfrage nach sogenannten Seniorenimmobilien, also Residenzen oder Betreutes Wohnen eher gering ist und erst angefragt wird, wenn eigenständiges Leben eben nur noch sehr eingeschränkt möglich ist.
    Der agile Alte sucht heute die komfortable Eigentumswohnung oder eine Mietwohnung in einem Wohnprojekt, letztere schießen in Berlin wie die Pilze aus dem Boden. Dazu ist weiterhin eine gute Verkehrsanbindung und eine gute Versorgungsinfrastruktur gewünscht. Auch das Auto kann getrost abgeschafft werden und wenn es doch einmal benötigt wird, stehen Car-Sharing Fahrzeuge mittlerweile in großer Anzahl an hunderten von Stationen im gesamten Bundesgebiet dem rüstigen Rentner zur Verfügung. Zusätzlich wird die technische Entwicklung weiter gehen, immer preiswertere mikroprozessorgesteuerte intelligente Haustechnik, KNX-Technologie und Ambient Assisted Living in Verbindung mit entsprechenden Dienstleistungsangeboten werden das Wohnen revolutionieren

  • Die Alten von heute sind eben nicht mehr die Alten von gestern. Heutige Senioren wissen sehr genau, was sie wollen und vergleichen ebenfalls sehr genau. Es reicht schon längst nicht mehr, im Alter Ruhe zu haben und sich versorgt zu wissen. Nein, es geht darum, noch einmal durchzustarten und tief in das Leben einzutauchen. Und wo geht das besser als in den Städten. Nicht umsonst wird Berlin immer wiede von Senioren als das neue Mallorca bezeichnet. Leben mitten im Trubel der Gesellschaft ist angesagt. Möglichst viel an Möglichkeiten haben und dann aber selbst entscheiden, ob man es wirklich wahrnimmt, oder nicht. Als Betreiber der Internetplattform Wohnforumplus stelle ich schon seit geraumer Zeit einen starken Trend in die Innenstädte fest. Wobei die Nachfrage nach sogenannten Seniorenimmobilien, also Residenzen oder Betreutes Wohnen eher gering ist und erst angefragt wird, wenn eigenständiges Leben eben nur noch sehr eingeschränkt möglich ist.
    Der agile Alte sucht heute die komfortable Eigentumswohnung oder eine Mietwohnung in einem Wohnprojekt, letztere schießen in Berlin wie die Pilze aus dem Boden. Dazu ist weiterhin eine gute Verkehrsanbindung und eine gute Versorgungsinfrastruktur gewünscht. Auch das Auto kann getrost abgeschafft werden und wenn es doch einmal benötigt wird, stehen Car-Sharing Fahrzeuge mittlerweile in großer Anzahl an hunderten von Stationen im gesamten Bundesgebiet dem rüstigen Rentner zur Verfügung. Zusätzlich wird die technische Entwicklung weiter gehen, immer preiswertere mikroprozessorgesteuerte intelligente Haustechnik, KNX-Technologie und Ambient Assisted Living in Verbindung mit entsprechenden Dienstleistungsangeboten werden das Wohnen revolutionieren.

  • Immobilien für Senioren werden nach sehr eigenen Gesichtspunkten ausgesucht: Die Nähe zu Angehörigen und Bekannten spielt hier eine Rolle, wie auch das nahe gelegene ASngebot an Einkaufsmöglichkeiten und Kultur. Tatsächlich zum Zuge kommen diese Gesichtspunkte nach dem Umzug zumeist nicht. Weder Kino, noch Theater werden besucht und der Einkauf wird nicht in der City erledigt, sondern der Enkel fährt mit dem Auto zu den Supermärkten am Stadtrand. Der veilbeschäftigte Sohn kommt auch nicht, wie erhofft nach Feierabend mal eben kurz vorbei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%