An deutschen Airports entstehen Büroparks
Flughäfen steigen ins Immobiliengeschäft ein

Im Zeitalter von Billig-Airlines ist es Flughafen-Betreibern kaum noch möglich, im Luftfahrtgeschäft weiteres Ertragswachstum zu generieren. Um die Gewinne dennoch zu steigern, strecken die Gesellschaften ihre Fühler in ein neues Feld aus: den Gewerbeimmobilienmarkt.

ric DÜSSELDORF. Vorreiter ist die Flughafen-Gesellschaft der bayerischen Landeshauptstadt, die bereits 1999 mit dem "München Airport Center" (MAC) eine multifunktionelle Immobilie schuf. Auf 27 000 Quadratmetern wurden für 112 Millionen Euro nicht nur ein Hotel, ein Tagungscenter und ein Ärztezentrum angesiedelt. Zwei Drittel der Fläche, rund 18 000 Quadratmeter, sind als Bürotrakte vermietet. Auf der Adressenliste finden sich so renommierte Namen wie Deloitte & Touche, McKinsey und die Anwaltskanzlei Hingerl. In der Bilanz schlägt sich das MAC positiv nieder: "45 Prozent unseres Gesamterlöses von 654 Millionen Euro in 2004 kamen aus dem Non-Aviationbereich", sagt Flughafensprecher Ingo Anspach.

Verantwortlich für die Planung des MAC war der damalige Bereichsleiter Non-Aviation, Rainer Schwarz. Heute ist er Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Düsseldorf GmbH. War München sein Gesellenstück, so arbeitet er nun an seinem Meisterwerk - der "Düsseldorf Airport City".

Auf dem 23 Hektar großen Areal einer ehemaligen britischen Kaserne am Rand des Flughafens soll bis 2015 ein Business-Park mit insgesamt 250 000 Quadratmetern Bürofläche entstehen - fast das 14fache der Fläche am Münchner Airport. Schwarz spricht von einer Anlage mit "Campus-Charakter": Zwischen den 3 000 bis 30 000 Quadratmeter großen Gebäuden ist eine Baum bestandene Grünfläche vorgesehen. Erster Mieter ist ein Verband, der allein 10 000 Quadratmeter in Beschlag nehmen will. Wenn der Park fertig ist, prognostiziert Schwarz, werde die Flughafen-Gesellschaft 60 bis 65 Prozent ihrer Umsätze im Non-Aviation-Bereich erzielen.

Der Rohbau der Tiefgarage steht, im Herbst sollen die Arbeiten für das Ankerprojekt beginnen: Die Maritim-Kette will in der Airport City ein 533-Betten-Hotel betreiben.

Weitere Mieter für den Büropark zu finden sei kein Problem, ist Schwarz überzeugt: "Düsseldorf ist der Standort Nummer Eins in Deutschland für Werber und Berater." Die Mitarbeiter der Unternehmen aus beiden Branchen müssten regelmäßig fliegen. Zudem profitiere das Projekt von der guten Bahnanbindung. Rund 400 Züge halten täglich am Flughafenbahnhof.

Auch in Köln wird der Airport als idealer Bürostandort gesehen. Allerdings errichtet hier nicht die Flughafen-Gesellschaft die "Airportcity Cologne", sondern die Lammerting Industriebau AG (LIAG) gemeinsam mit der Düsseldorfer IKB Deutsche Industriebank AG. Für rund 200 Millionen Euro sollen 20 Gebäude in Modulbauweise mit 120 000 Quadratmeter Nutzfläche entstehen.

Nicht nur für Unternehmen, die von ihren Mitarbeitern hohe Mobilität fordern, empfehle sich der Büro-park als optimaler Standort, meint LIAG-Sprecher Ulrich Becher. "Bei Umsiedlungen drängen Betriebsräte auf eine gute Verkehrsanbindung, zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten und die Nähe von Bankfilialen." All das sei am Flughafen gegeben. Zudem dürfen die Geschäfte sieben Tage die Woche geöffnet haben - so lange, bis die letzten Flüge gestartet und gelandet sind. Noch fehlt in Köln ein Mieter. Doch Becher rechnet "in Kürze mit den ersten Abschlüssen": Flughäfen seien die Bürostandorte der Zukunft.

Thomas Rücker, Leiter Unternehmenskommunikation der IVG, stimmt dem größtenteils zu: "Für internationale Konzerne sind Airports ideale Standorte." Das Ende der Bürotürme in den Innenstädten sieht Rücker gleich wohl nicht gekommen: "Moderne Gebäude in der City werden weiter nachgefragt werden." Dies zeige sich schon daran, dass in erster Linie ältere, nicht mehr zeitgemäße Gebäude hohe Leerstandsraten verzeichnen.

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