Analysten weiterhin stabile Renditen
Paris zieht Investoren magisch an

Seit jeher pilgern Fans und Bewunderer nach Paris, um dort Kunst, Kultur oder das französische „Savoir-vivre“ zu genießen. In jüngster Zeit hat sich diese Anhängerschar um eine Gruppe erweitert: Fondsmanager.

DÜSSELDORF. Nach einer Analyse der Münchener Bulwien AG haben deutsche offene Immobilienfonds allein im vergangenen Jahr 36 Gewerbeimmobilien-Objekte mit einem Gesamtvolumen von 3,4 Milliarden Euro in Frankreich angekauft (siehe Grafik). Das sind mehr als 40 Prozent der gesamten Auslandsinvestitionen in Höhe von 7,8 Milliarden Euro.

Und der Geldstrom reißt nicht ab: Nach einer Umfrage des Maklerhauses Dr. Lübke GmbH unter offenen Immobilienfonds rechnen zwei Drittel der Befragten mit weiterhin hohen Mittelzuflüssen. Als wichtigster Standort für ausländische Investments wird auch hier mit weitem Abstand Frankreich genannt. Der Löwenanteil dürfte davon in der Hauptstadt investiert werden. „Allein im ersten Quartal haben deutsche Investoren in Paris Gewerbeimmobilien im Wert von rund drei Milliarden Euro erworben“, sagt ein Direktor für Immobilienanlagen eines großen französischen Versicherers.

Erstaunlich: Trotz dieses Geldstroms und der Tatsache, dass auch in der französischen Wirtschaft derzeit die Bäume nicht in den Himmel wachsen, beurteilen Experten die Rendite-Aussichten auf dem Pariser Büromarkt ungebrochen positiv. „Der Markt ist stabil, eine Blase kann ich nicht erkennen“, sagt etwa Bernd Kottmann, Vorstandsmitglied der IVG AG. „Bei erstklassigen Objekten wird die Rendite weiter bei sechs Prozent liegen“, meint auch Stephan von Barczy, Direktor des Investment-Teams bei Jones Lang LaSalle, Paris. Überhitzungstendenzen wie zuletzt Anfang der 90er-Jahre seien nicht zu erkennen.

Gute Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten

Mit 44 Millionen Quadratmetern Bürofläche ist der Großraum Paris der größte Büroimmobilienmarkt Europas. Rund elf Millionen Menschen leben auf der „Ile de France“, knapp 30 Prozent des französischen Bruttoinlandsprodukts werden hier erwirtschaftet. 80 Prozent der 500 größten französischen Unternehmen haben ihren Sitz in Paris. Hinzu kommen die staatliche Verwaltung, darunter der gesamte Regierungsapparat, Hochschulen und internationale Verbände.

Wichtigste Bürostandorte in der Hauptstadt sind der Bereich innerhalb des Boulevard Péripherique, die Bürostadt La Défense und der so genannte „Croissant d’Or“, ein Halbkreis von Vororten im westlichen Seinebogen.

„Interessant ist Paris für institutionelle Investoren, weil er dank seiner Größe gute Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten bietet“, erklärt Willi Alda, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deka Immobilien Investment GmbH. Er erwartet daher allenfalls eine Abkühlung des Marktes, auf keinen Fall einen Einbruch.

Leichte Abkühlungstendenzen

Die meisten Studien geben ihm Recht und rechnen in diesem Jahr mit einem gegenüber 2002 stabilen Vermietungsvolumen von rund 1,5 Millionen Quadratmetern. 2001 indes lag der Umsatz noch bei 1,7 Millionen Quadratmetern.

Leichte Abkühlungstendenzen erwarten Marktbeobachter auch bei den Mieten: In der Spitze liegen sie aktuell bei 685 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Nach Ansicht der Experten von Jones Lang LaSalle indes könnten sie bis zum Jahresende noch leicht zurückgehen. Allerdings werde das sich verlangsamende französische Wirtschaftswachstum Mieten und Verkehrswerte nicht ins Rutschen bringen, glaubt Jones Lang LaSalle-Experte von Barczy. „Das Angebot an neuen Gebäuden ist reglementiert, die Genehmigungspraxis folgt einer klar definierten Ansiedlungspolitik“, erklärt er, „zudem sind die Banken bei der Finanzierung von Projekten erheblich vorsichtiger geworden.“

Sein Haus erwartet für dieses Jahr 950 000 Quadratmeter neue Büroflächen und liegt mit seiner Schätzung noch am oberen Ende der Skala: Die Deka zum Beispiel rechnet nur mit rund 800 000 Quadratmetern. Für 2004 soll sich das Angebot von Neuflächen laut Jones Lang LaSalle auf 612 000 Quadratmeter reduzieren, 2005 gar auf 222 000.

Fazit einer Studie von Atis Real zum Ausblick auf den Pariser Büroimmobilienmarkt: „Es gibt keinen Grund zur Sorge.“

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