Andermatt
Golfplatz in den Alpen

Die Schweizer Armee zieht sich aus dem Gebirgsdörfchen Andermatt zurück - und ein Ägypter rückt ein. Der Investor aus Nordafrika will auf dem ehemaligen Militärareal ein Luxus-Resort errichten. Noch liegt da allerdings viel Blei im Boden.

DÜSSELDORF. Bislang kannten vor allem Skiläufer das Schweizer Gebirgsdörfchen Andermatt ("an der Wiese") im Gotthardmassiv. Die meisten Arbeitsplätze in der 1 300-Seelen-Gemeinde schufen der Skitourismus und die Schweizer Armee. Die zieht sich jetzt zurück. Bagger, und Baumaschine sollen das ehemalige Militärareal besetzen. Vier- und Fünf-Sterne-Hotels, Ferienwohnungen, ein Sportzentrum mit Schwimmhalle, zweigeschossige Villen und einen Golfplatz will der ägyptische Investor Samih Sawiris auf 1,5 Quadratkilometern für rund eine Milliarde Franken (rund 610 Mill. Euro) bauen. In dieser Woche legte er Gestaltungspläne für das Quartier vor.

Schon im September will die von Sawiris gegründete Andermatt Alpin Destination Company (AADC AG) als Projektentwickler beginnen: Erster Arbeitsschritt: Abbruch und Sanierungsarbeiten auf dem ehemaligen Militärgelände. "Da liegt eine Menge Blei im Boden", sagt Sawiris Berater Franz Egle. Mitte 2009 rechnet Egle, der im Aufsichtsrat der AADC sitzt, mit dem ersten Spatenstich für die Neubauten. Dann soll zunächst das Hotel-Flaggschiff der Anlage, das Fünf-Sterne-Hotel Bellevue, der Golfplatz und ein zentrales Podium für das neue, autofreie Feriendorf entstehen. Parkplätze, Versorgungseinrichtungen und die Anlieferungswege verschwinden unter dem Podium. In den vielen Hotels sollen private Investoren sogenannte Hotelwohnungen kaufen können - als Kapitalanlage. Diese Suiten gehören Privatleuten, aber die Hotels verwalten und bewirtschaften sie wie die normalen Hotelzimmer.

Politiker aus der Region befürworten das Projekt. "Der attraktive Golfplatz und die Neugestaltung des Gewässerraumes der Reuss werten die Landschaft erheblich auf", meint Heidi Z´graggen, Justizdirektorin und Vorsitzende des regierungsrätlichen Ausschusses Andermatt. Sie hofft, dass neben dem Gast- und Baugewerbe weitere Branchen von dem Resort in Andermatt profitieren. Auch die Schweizer Staatskasse wird einen Anteil einstreichen: "Wir können von einer starken Zunahme der Beschäftigung und zusätzlichen Steuereinnahmen ausgehen", sagt Z?graggen. Neue Arbeitsplätze kann die Region ihrer Ansicht nach auch gut gebrauchen: "Die starke Abwanderung aus dem Urserntal und dem Urner Oberland kann gestoppt werden."

Auch der Vorsitzende des siebenköpfigen Andermatter Gemeinderates, Karl Poletti, glaubt, dass das Tourismus-Resort endlich wieder junge Arbeitskräfte nach Andermatt zieht. Seiner Ansicht nach wäre das eine wichtige Verjüngungskur für das Dorf. Immerhin ist rund ein Viertel der Dorfbewohner schon im Rentenalter.

Verändern wird sich nach Ansicht Polettis auch das Profil der Gäste. Golfgelände und Luxushotels sollen das Gebirgsdorf auch für gutbetuchte Sommerurlauber interessant machen. Auf die Einnahmen durch Wintersportler will die Gemeinde aber nicht verzichten. Die Gestaltungspläne berücksichtigen das. Im Winter entsteht laut der Planung auf dem Golfplatz eine Langlaufloipe. Schwimmbad und Sportanlagen sollen im Winter die Tagesgäste dazu bringen, für eine längere Zeit zu bleiben. "Die bestehenden Häuser werden über den gleichen Katalog vermarktet wie die Vier- und Fünf-Sterne-Hotels." Diese Argumente werden - so hofft Poletti - auch die Skeptiker unter den alteingesessenen Hoteliers vom Neubauprojekt in Andermatt überzeugen.

Poletti rechnet deshalb nicht mit großen Einsprüchen innerhalb der 30-tägigen Frist nach Veröffentlichung der Pläne im Amtsblatt. In diesem Fall "könnte bis November 2008 eine rechtskräftige Genehmigung der Quartiergestaltungspläne durch die Regierung möglich sein", glaubt Justizdirektorin Z´graggen. Wenn doch Bürger die Pläne der Ägypter ablehnen, "dann muss man eben nochmal reden", sagt Poletti.

Andermatt

Der Ort: Andermatt liegt auf 1 447 Metern im Ursenertal an der Reuss (Kanton Uri).

Das Resort: Geplant sind im neuen Tourismus–Resort: 600 Hotelzimmer, 220 Hotel-Wohnungen, sowie 710 Wohnungen und 30 Ferienhäuser.

Der Golfplatz: Der Golfplatz nimmt eine Fläche von 1,3 Quadratkilometern ein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%