Angst vor der Blase
China drückt Immobilienpreise

Der Plan von Chinas Premier Wen Jiabao scheint aufzugehen: Ohne die Konjunktur brutal abzuwürgen werden Spekulationen am Häusermarkt eingeschränkt. Nun nähern sich die Preise offenbar dem Tiefpunkt.
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PekingDie Kontrolle der Immobilienpreise durch die chinesische Regierung verläuft bisher nach Plan. Acht Monate nach Beginn des Manövers zur Vermeidung einer Investmentblase nähern sich die Preise offenbar dem Tiefpunkt. Zwar ist der durchschnittliche Marktwert in 54 von 70 beobachteten Städten im Mai erneut gefallen, wie aus dem monatlichen Immobilienbericht des Nationalen Statistikamtes in Peking hervorgeht. Doch da der Rückgang sich verlangsamt, hofft die Branche für das Sommerquartal auf eine Erholung.

Vorbote für eine Rückkehr der Anleger war die Senkung des Leitzinses um einen Viertelprozentpunkt auf 6,31 Prozent durch die Zentralbank vor eineinhalb Wochen. "Die Regierung hat die Beschränkungen für Bankkredite schon etwas gelockert", urteilt Analyst Andy Rothman von CLSA Pacific. "Das sind die ersten Anzeichen für einen schrittweisen Abbau von Beschränkungen für den Hauskauf", so der Experte.

In der Exportprovinz Guangdong zeigen die Immobilienfirmen bereits Mut. Sie haben zwischen Januar und Mai wieder mehr Geld ausgegeben, um Land zu kaufen. Insgesamt lagen die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr zwar noch mit zwölf Prozent im Minus. Doch der negative Trend hat sich seit Jahresbeginn stark verlangsamt.

Die Wirtschaftspolitiker in Peking dürften diese Zahlen befriedigt zur Kenntnis nehmen. Es scheint ihnen das zu gelingen, was Premier Wen Jiabao im vergangenen Jahr angekündigt hat: Das spekulative Geld wird aus dem Immobilienmarkt gezogen, ohne ehrliche Häuserbauer abzuschrecken oder der Konjunktur einen Schock zu versetzen. "Die Regierung geht nicht brutal gegen den Markt vor", sagt Jack Gong vom Immobiliendienstleister Jefferies Group. Denn die Branche sei eine Stütze der Wirtschaft.

Die chinesische Regierung hatte in den Jahren 2009 und 2010 in China das Geld stark verbilligt, um der Konjunktur in der Weltwirtschaftskrise einen Schub zu geben. Die Nebenwirkung: Privatleute und Unternehmen spekulierten am Häusermarkt. Im vergangenen Jahr hat China dann begonnen, dem Markt Liquidität zu entziehen. Kredite sind deutlich teurer geworden und gehen bevorzugt an Erstkäufer von Wohneigentum. Seit vergangenem Herbst sinken daher die Preise mehrheitlich.

Premier Wen hat den Investoren zugleich in Reden klargemacht, dass sie nicht mehr mit gewaltigen Wertsteigerungen rechnen sollten. Seit 1998 haben sich die Immobilienpreise in China im Schnitt um 140 Prozent erhöht - was eine deutlich bessere Rendite gebracht hat als Aktien oder Spareinlagen. "Die Ankündigungen des Ministeriums für Häuserbau signalisieren, dass die Dämpfung des Immobiliensektors ein Langzeitprojekt ist", sagt Finanzwissenschaftler Yi Xianrong von der Chinese Academy of Social Sciences, der Nachrichtenagentur Xinhua.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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