Anlagestrategie: „Jeder muss eine Immobilie kaufen“

Anlagestrategie
„Jeder muss eine Immobilie kaufen“

Die Immobilienpreise brechen alle Rekorde. Der Banker Mario Caroli erklärt, warum Interessenten den Kauf trotzdem nicht auf die lange Bank schieben sollten, wo Fallen lauern und worauf Vermögende bei Immobilien achten.
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Mario Caroli kennt sein Geschäft aus dem Effeff. Nach ersten Erfahrungen in der Sparkasse Ulm kann er als Banker mehr als 30 Jahre Erfahrung im Bereich Immobilien vorweisen. Als persönlich haftender Gesellschafter des Stuttgarter Bankhauses Ellwanger & Geiger hat er einen unabhängigen Blick auf den Immobilienmarkt. Es gebe nicht den besten Zeitpunkt zum Immobilienkauf, erklärt Caroli im Interview mit Handelsblatt Online. Interessenten sollten sich von den hohen Preisen nicht schrecken lassen.

Herr Caroli, wer kauft eigentlich jetzt noch Wohnimmobilien?
Das ist eine seltsame Frage. Es gibt einen Immobilienboom in Deutschland. Niedrige Kreditzinsen und ein Mangel an sicheren Anlagealternativen nähren ihn.

Laut Statistik der Pfandbriefbanken haben sich Wohnimmobilien 2014 so stark verteuert wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Deutschlandweit ging es fünf Prozent rauf, seit 2003 um fast 25 Prozent. In den Metropolen sehen Marktbeobachter jährliche Preissteigerungen im zweistelligen Prozentbereich. Oder kurz gesagt: Immobilien sind derzeit ganz schön teuer.
Ja, die Preise steigen. Genau deshalb muss ja jeder Mieter, der es sich leisten kann, eine eigengenutzte Immobilie kaufen. Nur so bleibt das Wohnen im Alter auch bezahlbar - zumindest in den Regionen, in denen die Bevölkerung weiter wächst.

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den Kauf eines Eigenheims? Die Preisrally geht ins sechste Jahr.
Für einen Eigennutzer ist der Zeitpunkt eines Kaufes immer zugleich richtig wie auch falsch. Vielleicht könnte der Interessent in einigen Jahren ein besseres Objekt finden. Aber dafür gibt es keine Garantie, ebenso wie für zukünftig fallende Preise oder ein jahrelanges historisches Zinstief. Wer eine Immobilie braucht und das passende Objekt in der passenden Region findet, sollte den Kauf deshalb nicht um Jahre verschieben. Letztlich ist es wie bei einem Auto. Man kann immer noch auf ein neueres Modell warten. Irgendwann muss man aber zuschlagen, wenn man fahren möchte.

Herr Caroli, Sie betreuen viele wohlhabende Kunden. Wie sehen die den Markt?
Das ist natürlich immer sehr individuell. Die Menschen kennen sich aber in der Welt aus. Sie wissen: Die Preise in London oder Paris liegen aktuell um ein Vielfaches höher als in den deutschen Metropolen. Das spricht auch in den weniger begehrten deutschen Metropolen zumindest für stabile Preise. Und in den letzten Krisenjahren 2003 oder 2009 waren die Preisausschläge in Deutschland eher marginal.

Sind Immobilien in Deutschland noch zu günstig?
Schauen Sie sich doch einmal die realen Kosten an. Die Gehälter sind gestiegen und die Lebenshaltungskosten im Vergleich dazu für viele historisch niedrig. Die finanziellen Puffer der neuen Käufergeneration sind größer, auch wegen der Erbschaften. Die niedrigen Zinsen lassen sich für höhere Tilgungen verwenden. Dass die Preise in diesem Szenario weiter sinken, ist aus meiner Sicht eher unwahrscheinlich, zumindest in Regionen mit steigenden Bevölkerungszahlen.

Kommentare zu " Anlagestrategie: „Jeder muss eine Immobilie kaufen“"

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  • Ich finde den Inhalt des Artikels / des Interviews sehr ausgewogen.
    Eine Immobilie kann Gebrauchsgegenstand und/oder Geldanlage und/oder Altersvorsorge sein.
    Eine Immobilie kann häufig und gut zur Diversifikation eines (Geldanlage-)Portfolios dienen. Selbst innerhalb der "Anlagegruppe" Immobilien kann man prima diversifizieren (Wohnen/ Handel /Betreiber & Hamburg/ München, etc.)
    Wichtig ist doch, dass sich der potentielle Käufer Gedanken macht und sich im Idealfall auch beraten lässt. Institutionelle Investoren wenden sich an ihren Assetmanager, Family Offices involvieren ihren Immobilienfinanzplaner und "Semi-Professionelle" Investoren vertrauen ihren Immobilienmakler.

  • Mit Verlaub, Ihr nick führt in die Irre, denn Infos zu Finanzen liefern Sie nicht (zumindest keine korrekten): In D sind langfristige Zinsbindungen üblich. Während dieser Zinsbindung erfolgt bei ImmoDarlehen an Privatpersonen keine Einzelprüfung des Beleihungswertes der finanzierten Immobilie, solange die Vertragsbedienung beanstandungslos verläuft. Genau das macht ja den deutschen Immobilienmarkt für Private so stabil- es gibt eben keine so starke Abhängigkeit vom Zinsniveau während der Darlehensphase wie z.B. in den USA. Zwar gibt es grundsätzlich für die Bank ein a.o. Kündigungsrecht bei deutlichem Verfall des Wertes der gestellten Sicherheiten; da der Immobilienwert nicht ständig geprüft wird, kann auch kein Wertverfall festgestellt werden, es kann ergo auch keine wertbegründeten Kündigungen in nennenswertem Umfange geben. Und selbst wenn ein solcher Wertverfall festgestellt würde, so liegt darin keine Vertragsverletzung des Kreditnehmers. Solange der seinen Verpflichtungen zur Bedienung des Kredites (das nennt man Hauptpflicht aus dem Vertrag) vertragsgemäß nackommt, passiert - gar nichts.

  • Nachtrag:
    Was oft auch vergessen wird: eine Immo ist nur bedingt ein Investment. Sie ist fast noch mehr eben auch ein GEBRAUCHSGEGENSTAND. Immer wieder fallen irgendwelche Reparaturen an, oder es gibt in extremis sogar gesetzliche Sanierungspflichten, weil bestimmte Lobbygruppen mal wieder besonders gute Arbeit geleistet haben.
    Eine Aktie, ein Barren Gold oder auch ein reines Baugrundstück sind dagegen Investments, die im Wert steigen oder fallen können, jedoch nicht selbst Kapitalaufwendungen für den "Gebrauch" benötigen...

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