ARD-Doku „Der Mietreport“
Zusammenrücken, sonst wird’s teuer!

Die Deutschen brauchen zu viel Platz zum Leben. Selbst Schuld also, wenn ihnen hohe Mieten um die Ohren fliegen? In der ARD-Doku „Der Mietreport“ tauchen skurrile Argumente auf. Für Emotionen dagegen ist wenig Platz.
  • 2

DüsseldorfSeit 2008 explodieren in Deutschland die Mieten. In den zehn Jahren zuvor waren die Preise relativ stabil, danach ging es rund. Vor allem die Metropolen entwickeln sich zu solch teuren Pflastern, dass die Innenstädte Berlins und Münchens in Zukunft wohl eine ziemlich exklusive Veranstaltung der Besserverdienenden sein werden. Die ARD-Doku „Der Mietreport – Wenn Wohnen unbezahlbar wird“ macht eine Bestandsaufnahme. Die Lösungs- und Erklärungsansätze bleiben jedoch kurios.

Dennis B. ist 26, nach seinem BWL-Studium arbeitet er bereits seit sieben Monaten als festangestellter Personalberater. Mit 1.700 Euro netto hat er ein ordentliches Einstiegsgehalt vorzuweisen, das dem Single eigentlich ein komfortables Leben ermöglichen sollte. Doch Dennis hat ein Problem – er arbeitet in München. Noch immer lebt er in seiner neun Quadratmeter kleinen Studentenbutze, doch einmal exmatrikuliert, wartet bereits der Nachmieter. Dennis muss raus.

Dabei ist er ein gutes Beispiel für die absurden Blüten, die die Wohnungsnot in Städten wie München mittlerweile getrieben hat: Zu jeder Besichtigung bringt er eine Bewerbungsmappe mit. Die beherbergt mittlerweile nicht nur seine Schufa-Auskunft oder seinen Gehaltsnachweis, sondern auch ein persönliches Profil, damit die lieben Vermieter ihn schon mal ein wenig kennenlernen. So schreibt Dennis da, dass er doch sehr ordentlich lebt, seine Musik gerne leise hört – und total wild darauf ist, den Hausflur für umsonst zu putzen. Selbst dieses Angebot hat ihm im letzten halben Jahr bei 50 Besichtigung genau null Zusagen eingebracht.

Dabei macht München schon viel, um günstigen Wohnraum zu schaffen. So verpflichtet zum Beispiel die „sozialgerechte Bodennutzverordnung“ jeden Investor, der ein Baurecht erhält, auch Geld in die soziale Infrastruktur zu pumpen – also in Schulen und Kindergärten. Zusätzlich müssen 30 Prozent der neuen Wohnungen geförderter Wohnraum sein. Seit 1994 sind so 36.000 Wohnungen entstanden, 9.600 davon sind Sozialwohnungen. Die Stadt hat so eine halbe Milliarde Euro an Planungs- und Finanzierungskosten gespart.

Das Modell gibt es auch in Hamburg und Frankfurt – den Bedarf deckt es aber nicht mal annähernd. Die Marktlogik ist einfach: immer mehr Leute kommen in die Stadt und bewerben sich um zu wenig Wohnraum, die Preise steigen. Auch der Staat versucht es zu richten, im Juli stellte Bundesbauministerin Barbara Hendricks ihr Prestigeprojekt vor: das „Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen“. Damit will sie die wichtigsten Akteure auf dem Wohnungsmarkt – Makler, Architekten, Städte und weitere – in die Pflicht nehmen, für erschwingliche Preise zu sorgen.

Diese eigentlich gute Idee frisst sich jedoch durch Teil zwei des Plans gnadenlos selbst auf: Bis 2050 möchte die Regierung den Energiebedarf von Wohnhäusern um 80 Prozent senken, zum Wohle des Klimas versteht sich. Dafür renovieren Eigentümer nun fleißig, sorgen für eine bessere Außenwanddämmung, neue Isolierglasfenster, und und und. Das erhöht laut Gesetz den Wohnwert, elf Prozent der Kosten dürfen daher auf die Miete umgelegt werden.

Kommentare zu " ARD-Doku „Der Mietreport“ : Zusammenrücken, sonst wird’s teuer! "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ A. Buschmann
    Der Tipp ist richtig. Und dazu gibt es eine Vorgeschichte, die vielleicht schon vergessen ist.

    Vor 50 Jahren waren es die sog. Zonenrandgebiete, also der Streifen entlang der Zonen- und tschechischen Grenze, der zu veröden drohte durch Abwanderung der Bevölkerung in die westliche BRD. Mit gezielten und koordinierten Infrastrukturmaßnahmen, Gewerbeförderung, usw. konnte das damals verhindert, bzw. stark gemildert werden. D hat sich damals eine weitgehend dezentrale Siedlungsstruktur bewahrt, ohne das es per Saldo viel kostete, denn der Andrang im Westen hätte ja ähnlich hohe Augaben in ohnehin schon dicht besiedelten Gebieten erfordert. Bayern hat damals aus schierer Not gehandelt, heute sind es die 'blühenden Landschaften', die das Land vorantreiben. Wenigstens so lange, als nicht alle in München wohnen!

    Andere Länder, beispielhaft Frankreich, haben es damals versäumt, den Zug Land > Stadt zu bremsen. Dafür gibt es heute dort Departements, die die Hälfte ihrer Bevölkerung verloren haben, und zusätzlich die sozialen Probleme in der banlieu, den Vor- und Kunststädten rund um die großen Städte.

    Wenn der Staat je eine originäre Aufgabe hat, dann doch diese, sein Gleichgewicht zu bewahren!

  • so ein Quatsch...

    sorgt dafür, dass die Arbeitsplätze aufs Land verlegt werden - und ruck-zuck ziehen die Arbeitnehmer nach...

    Die meisten wohnen doch nicht in der Stadt wegen des Theaters oder der vielen Autos, sondern wegen der Nähe zum Arbeitsplatz.
    Also - Gewerbesteuer rauf - Gewerbe zieht weg oder zumindest nicht mehr zu - und schon hat sich das Problem erledigt :-)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%