Attraktive, neue Objekte sind schwer zu finden
Gebäudefonds verkaufen US-Anlagen

Die Preise für US-Immobilien steigen. Diese Gelegenheit nutzen viele deutsche Investoren zum Ausstieg. „Wir verkaufen – und zwar mit schönen Gewinnen“, sagt Christoph Kahl, Mehrheitseigner von Jamestown, einem der größten Anbieter von geschlossenen US–Immobilienfonds. Jamestown wird in diesem Jahr vier US-Fonds auflösen.

HB DÜSSELDORF. Zusammen mit Teilverkäufen aus anderen Fonds würden so 15 Immobilien im Wert von rund 770 Mill. Dollar aus den zusammengenommen rund fünf Mrd. Dollar schweren Jamestown-Fonds-Portfolio veräußert. „Wer das Geld in Euro zurücktauscht, verliert nichts“, sagt Kahl. Er verweist darauf, dass 1994 und 1995, als zwei der Fonds aufgelegt wurden, der Euro umgerechnet 1,30 Dollar wert war – etwa so viel wie heute.

Auch offene Immobilienfonds stehen auf der Verkäuferseite. So trennte sich der Grundbesitz-Global im August von zwei US-Objekten an der Ostküste, die zwei beziehungsweise drei Jahre im Bestand waren, mit einem Gewinn nach Steuern und unter Berücksichtigung des zwischenzeitlich eingetretenen Dollarverfalls, wie ein Sprecher der Investmentgesellschaft DB Real Estate versichert. Ein Teil des Erlöses sei in ein 122 Mill. Dollar teures Bürogebäude in einem Vorort von San Franzisco geflossen. Als generelle Trendwende will man dies jedoch nicht verstanden wissen. „Wir werden wieder kaufen, wenn sich eine Gelegenheit ergibt“, heißt es. Reinvestiert hat auch der offene Kanam-Fonds Grundinvest. In Washington wurde im Juni ein Bürogebäude nach knapp zwei Jahren verkauft, einen Monat später in Chicago ein anderes gekauft. Aus Kanam-Sicht entwickeln sich die Preise auf den verschiedenen Teilmärkten der USA unterschiedlich, so dass sich durchaus Kaufgelegenheiten ergeben.

Das sieht Jamestown-Chef Kahl anders: „Die Preise steigen landesweit über alle Märkte, vom Büro über den Einzelhandel bis zu den Wohnungen“, sagt er, weswegen er keinen neuen Fonds in Vorbereitung hat. „Es ist völlig sinnlos, an Bietungsverfahren teilzunehmen, weil zu viel dummes Geld im Markt ist.“ Der Hintergrund: Immobilienexperten beobachten schon eine geraume Zeit, dass große amerikanische Vermögensverwalter unter einem enormen Anlagedruck stehen, so dass sie niedrigere Renditen aufgrund steigender Preise akzeptieren. Den hohen Preisen im Inland versuchen sie durch Investitionen in Europa auszuweichen. Dabei haben sie beispielsweise deutsche Wohnungsgesellschaften im Visier. Jüngstes Beispiel: Die US-Gesellschaft Cerberus, gab gestern bekannt, sie habe 2 400 Wohnungen von der GBH Gesellschaft für Bauen und Wohnen Hannover mbH gekauft. Gesellschaften wie Cerberus investieren Gelder, die ihnen institutionellen Investoren wie Pensionskassen zur Verfügung stellen.

Jamestown-Chef Kahl stimmt Fondsanalyst Stefan Loipfinger zu, der vermutet, dass sich auch andere Anbieter geschlossener Fonds vorläufig am US-Markt zurückhalten werden. In der Statistik wird sich dies erst im nächsten Jahr niederschlagen.

Loipfinger erwartet, dass deutsche Anleger in diesem Jahr etwas mehr als jene knapp 1,6 Mrd. Euro des Vorjahres in US-Fonds investieren werden. In Dollar gerechnet würden die Investitionen noch höher ausfallen, verweist er auf den Währungseffekt.

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