Aufnahme von Wohnimmobilien
Für Reits öffnet sich eine Tür

Der Unions-Finanzexperte Leo Dautzenberg sieht eine Chance, Wohnungen doch in die neue Anlageklasse Reits einzubeziehen. Reine Wohnimmobilien werden zwar ein Tabu bleiben - aber die 50-Prozent-Grenze, nach der nicht mehr als die Hälfte der Nutzfläche zum Wohnen genutzt werden darf, könnte kippen.

BERLIN. Der Finanzexperte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Leo Dautzenberg ist zuversichtlich, im laufenden parlamentarischen Beratungsverfahren Mietwohnungen zumindest teilweise in Reits aufnehmen zu können. „Da ist noch nicht das letzte Wort gesprochen“, sagte Dautzenberg auf der Reits-Veranstaltung des Euroforums gestern in Berlin. Auch müsse es noch Nachbesserungen für Unternehmen geben, die firmeneigene Immobilien in Reits überführen wollen.

Auf Einladung des Bundestagsfinanzausschusses werden am Mittwoch 35 Sachverständige zum Kabinettsentwurf Stellung beziehen.

Reits sind börsennotierte Immobiliengesellschaften, die es in den USA bereits seit 1960 gibt. Die große Koalition hat sich darauf verständigt, diese in Deutschland bislang unbekannte Asset-Klasse einzuführen. Da Reits mindestens 90 Prozent ihres Gewinns an die Anleger ausschütten, entfällt auf Unternehmensebene die Ertragsteuer. Die Besteuerung fällt direkt bei den Anlegern an. Aus steuerlichen Gründen soll die Beteiligungsobergrenze für einzelne Investoren bei unter zehn Prozent liegen. Zudem soll es eine Streubesitzklausel von 15 Prozent bei Reits geben.

Die CDU/CSU hatte sich dafür stark gemacht, auch Wohnimmobilien in Reits einzubringen. Um keinen Streit mit der eigenen Partei zu riskieren, erklärte sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) entgegen seiner Überzeugung bereit, Mietimmobilien dann nicht in Reits aufzunehmen, wenn deren Nutzfläche zu mehr als 50 Prozent Wohnzwecken dient und diese vor dem ersten Januar 2007 erbaut wurden. Dautzenberg sieht im aktuellen Verfahren zumindest die Chance, die 50-Prozent-Grenze zu verringern. Reine Wohnimmobilien bleiben jedoch ein Tabu für Reits, obwohl ausländische Private-Equity-Gesellschaften ohne Probleme diese direkt erwerben und in einen ausländischen Reit einbringen können. Kaum ein Sachverständiger kann diese im internationalen Vergleich einmalige Beschränkung nachvollziehen.

Kritik übt der Reits-Experte Dautzenberg auch an der vorgesehenen Ausgestaltung der so genannten Exit-Tax. Die traditionell immobilienlastigen deutschen Unternehmen sollen durch eine attraktive „Exit Tax“ dazu ermuntert werden, ihre Immobilien auf den Markt zu bringen. Da der Verkaufspreis in der Regel über dem Bilanz-Buchwert liegen wird, stellt sich die Frage nach der Besteuerung dieser stillen Reserven. Der Anreiz besteht darin, dass die Betriebe für einen Zeitraum von drei Jahren nur die Hälfte der Veräußerungsgewinne besteuern müssen. Allerdings nur, wenn die Betriebe die verkauften Immobilien zuvor mindestens zehn Jahre gehalten haben.

„Ich plädiere für einen Zeitraum von drei bis vier Jahren“, sagt Dautzenberg. Damit unterbietet der CDU-Politiker sogar die Forderung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der sich für eine Mindesthaltedauer von fünf Jahren einsetzt. Für europarechtlich bedenklich hält der Verband der Auslandsbanken den Passus, dass die Steuerprivilegien für das Unternehmen nur dann gelten sollen, wenn die Immobilien an einen deutschen Reit oder offenen Immobilienfonds veräußert werden.

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