Banken kommen Investoren mit Forderungsverzicht entgegen
Immobilien droht weiterer Einbruch

Die Immobilienbranche wird von staatlichen Konjunkturpaketen, gesunkenen Rohstoffpreisen und niedrigen Zinsen erst sechs bis neun Monate später als das Gros der Unternehmen profitieren. Damit hat der Immobiliensektor das Schlimmste noch vor sich, wurde gestern auf der 16. Handelsblatt-Jahrestagung Immobilienwirtschaft in Berlin deutlich. Darunter dürften besonders die Banken leiden.

BERLIN. Das Transaktionsvolumen der Branche sinkt nach Zahlen des Dienstleisters Atisreal in Europa seit September 2007 Quartal für Quartal mit Raten von bis zu 35 Prozent. Die Immobiliendienstleister sind deshalb gezwungen, Kapazitäten abzubauen. "Wir werden allerdings nicht mehr so große Rückgänge im Transaktionsvolumen erleben wie in den vergangenen Monaten", sagte Reinhard Kutscher, Sprecher der Geschäftsrührung der Union Investment Real Estate, einem der großen Anbieter offener Immobilienfonds in Deutschland. In den vergangenen zwölf Monaten seien die Mieten auf allen Büromärkten gesunken. Das ist aus Neuvermietungen ablesbar. Ein Trend, der anhalten wird, wobei der Vermögensverwalter Invesco in seiner Frühjahrsanalyse prognostiziert, dass die Mietrückgänge in Europa im nächsten Jahr schwächer als 2009 ausfallen werden.

Das Risiko, dass Mieter insolvent werden, steigt dennoch. Deshalb verlangen Käufer einen Preisabschlag. Damit steigen auf Basis gegebener Jahresmieten zwar die anfänglichen Mietrenditen. Für hochverschuldete Bestandshalter kann das aber den Ruin bedeuten. Den finanzierenden Banken bringen sinkende Preise zusätzlichen Abschreibungsbedarf.

Denn die Banken haben in der Regel Verschuldungsgrenzen in den Kreditverträgen festgeschrieben. Die werden nun vielfach unterschritten, wenn das Eigenkapital nicht sogar ganz aufgezehrt wird. Denn viele ausländische Investoren haben in den vergangenen Jahren ihre Gebäude-Portfolios mit zehn Prozent und weniger Eigenkapital gekauft.

"Viele hochverschuldete Investoren sind am Ende", sagte Christian Ulbrich, Europa-Geschäftsführer von Jones Lang Lasalle. Wenn das Eigenkapital verloren sei, verliere der Investor das Interesse an dem Objekt. Was dann geschieht, erzählte man sich in Berlin hinter vorgehaltener Hand: "Die Bank bekommt den Schlüssel in die Hand. Der ausländische Investor verschwindet. Der Reputationsschaden in Deutschland schert ihn nicht", fasste ein Branchekenner am Rande der Konferenz das mögliche Szenario zusammen.

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