Baufinanzierung
Darlehen-Wette auf den Wechselkurs

Baudarlehen in Franken oder Yen locken mit besonders niedrigen Zinsen. Wäre da nicht das Problem mit den Wechselkursen .
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Wettrennen in Rosenheim: Österreichische Banken haben eigene Zweigstellen in Oberbayern eröffnet. Der Verkaufsschlager am Bankschalter sind Baudarlehen. Die Zinsen sind mit 3,75 bis 4,25 Prozent unschlagbar. Einziger Schönheitsfehler: Der Kunde leiht sich das Geld in Schweizer Franken und muss die auch zurückzahlen. Die Billighypotheken sind eine Wette auf den Wechselkurs. Die Briefkasten südlich von München quillen über mit Superangeboten für Eigenheimer. Um nicht ins Hintertreffen zu geraten, kontert Platzhirsch Hypo-Vereinsbank mit einer eigenen Offerte in Schweizer Franken.

Jetzt, da die Hypothekenzinsen wieder anziehen, versuchen Banken mit zinsgünstigen Fremdwährungsdarlehen den baufaulen Deutschen Wohneigentum schmackhaft zu machen. Für Darlehen in japanischen Yen sind nur 1,5 bis 2,0 Prozent fällig, in Franken meist um die 3,5 Prozent. Laut FMH-Finanzberatung in Frankfurt liegen die günstigsten Angebote mit zehnjähriger Bindung hierzulande derzeit um die 4,80 Prozent. Die Deutschen sind bisher dennoch skeptisch, ganz anders als die Österreicher: Mittlerweile, so eine Statistik der Österreichischen Nationalbank, laufen etwa 39 Prozent aller privaten Baudarlehen dort in einer Fremdwährung, meist in Schweizer Franken.

Anders als die Europäische Zentralbank (EZB) ist die Schweizerische Nationalbank (SNB) deutlich bedächtiger, wenn es um Zinserhöhungen geht. Zwar hob die SNB seit Dezember 2005 den Leitzins zum siebten Mal an, er liegt derzeit aber immer noch erst bei 2,5 Prozent und damit 1,5 Prozentpunkte unter dem EZB-Niveau. Bei einer so breit geöffneten Zinsschere fällt es den Hypothekenbanken leicht, Immobiliendarlehen günstig anzubieten. Noch zwei Stockwerke tiefer als in der Schweiz liegen die Zinsen in Japan. Nur 0,5 Prozent verlangt die japanische Notenbank momentan.

Der Zinsvorteil eines Franken-Darlehens gegenüber Krediten in Euro war schon bisher immer sehr deutlich. Das nützt dem Immobilienkäufer aber wenig, wenn er, wie in Deutschland üblich, nur variabel verzinste Fremdwährungsdarlehen abschließen kann. Statt sich jetzt in Euro den vergleichsweise niedrigen Festzins für die kommenden zehn Jahre sichern zu können, muss er im Ernstfall zusehen, wie ihm die Kosten weglaufen, wenn in der Schweiz die Zinsen steigen. Auch wenn der flexible Zins nur langsam nach oben klettert, kann das Franken-Darlehen dann zum teuren Abenteuer werden, wie das Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen (Iff) für die Wirtschaftswoche errechnet hat (siehe Tabelle auf der folgenden Seite).

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