Baugeld
Banken erhöhen Aufschläge

Die Koordinaten auf dem deutschen Baugeldmarkt haben sich durch die Finanzkrise in den vergangenen Monaten erheblich verschoben. Die Banken achten stärker als zuvor auf ihr Risiko und versuchen, ihre Margen aufzupeppen. Der Markt wird dadurch für Bauherren und Immobilienkäufer intransparenter.

DÜSSELDORF. Wer genug Eigenkapital mitbringt, profitiert von günstigen Konditionen. Wer seine vier Wände dagegen hoch beleihen will, wird zur Kasse gebeten. Darlehensnehmer, deren Kredite rund 60 Prozent des Verkehrswertes des Hauses nicht übersteigen, die also im ersten Rang finanzieren, kommen bislang ungeschoren durch die Finanzkrise. Ihnen gewähren die Banker gute Konditionen – zumal die Hypothekenzinsen seit Ausbruch der Finaanzkrise deutlich gefallen sind. Denn sollte ein solcher Kunde seine Raten nicht mehr zahlen können, kommt das Geldinstitut durch die Verwertung der Immobilie normalerweise gut auf seine Kosten.

Wer aber sein Haus im zweiten oder im dritten Rang finanzieren muss, das heißt mit 70, 80 oder gar zu 100 Prozent beleiht, zahlt happige Risokoaufschläge. Denn im Fall einer Zwangsversteigerung fehlt den Banken der Puffer, um sich schadlos zu halten. Daher haben die risikoscheu gewordenen Banken in diesem Bereich der Baufinanzierung die Prämien teilweise drastisch erhöht, berichtet Klaus Fleischer, Professor für Bank- und Finanzwirtschaft an der Hochschule München. Vor der Krise hätten sie für solche Kredite Aufschläge von zwei zehntel Prozentpunkten verlangt, nun werde gut und gerne ein ganzer Prozentpunkt zusätzlich fällig.

Fünf statt – derzeit üblich – vier Prozent. Das bedeutet, dass sich die Finanzierung um ein Viertel verteuert. In absoluten Zahlen sieht das dann so aus: Eine Hypothek über 150 000 Euro kostet bereits in den ersten zehn Jahren bei gleicher Monatsbelastung rund 18 000 Euro mehr. Über die gesamte Laufzeit bis zur kompletten Kredittilgung summiert sich die Differenz dank Zinseszinseffekt gar auf rund 75 000 Euro.

Und dazu kommen noch die enormen Schwankungen an den Märkten und die Unsicherheit, wie sich die Zinsen weiterentwickeln. Denn genauso schnell, wie die Hypothekenzinsen sinken, können sie auch wieder anziehen. Unter den Marktakteuren herrscht extreme Nervosität. Führt das Anwerfen der Notenpresse vor allem durch die US-Notenbank schon in nicht allzu langer Zeit zu ungewohnt hohen Inflationsraten? Das erwarten nicht wenige Experten. In dem Fall dürften sich die Hypothekenzinsen wieder ihrem langfristigen Durchschnitt von gut sieben Prozent annähern. Finanzexperte Fleischer rät deshalb: „Sofort zugreifen beziehungsweise umschulden, was das Zeug hält. Und möglichst lange Laufzeiten wählen.“

Seite 1:

Banken erhöhen Aufschläge

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%