Baugenehmigungen Verkehrte Welt auf dem Wohnungsmarkt

In Deutschland fehlen immer noch Hunderttausende Wohnungen. Doch Bauträger treten auf die Bremse und lassen sich weniger statt mehr Bauprojekte genehmigen. Die Schuldigen für diesen Trend sind schnell ausgemacht.
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Immobilien: Verkehrte Welt auf dem Wohnungsmarkt Quelle: dpa
Arbeiter auf einer Baustelle

In Deutschland werden zu wenig Wohnungen gebaut.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDeutschlands Immobilienmarkt boomt: Die Nachfrage von Mietern und Käufern nach Wohnungen oder einem Eigenheim ist nach wie vor höher als das Angebot; Mieten und Preise steigen. Dennoch nimmt offenbar die Lust zu bauen bei Unternehmen und privaten Bauherren ab. Das zumindest legen die aktuellen Daten zur Zahl der Wohnungsbaugenehmigungen nahe.

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag mitteilte, wurden von Januar bis Oktober 2017 in Deutschland 7,3 Prozent oder 22.400 Wohnungen weniger genehmigt als in den ersten zehn Monaten des Vorjahrs. Damit zeichnet sich bereits jetzt ab, dass es 2017 zum ersten Mal seit 2008 wieder einen Rückgang bei der Zahl der genehmigten Wohnungen geben wird.

Insgesamt ließen sich Bauherren 286.300 Wohnungsbaumaßnahmen von den zuständigen Ämtern bewilligen. Destatis zählt dazu nicht nur reine Neubauten, sondern auch Genehmigungen etwa für Dachgeschossausbauten in bestehenden Gebäuden. Vergleicht man die Zahlen auf Dreimonatssicht, fällt die Bilanz noch schlechter aus: Von August bis September 2017 wurden 8,6 Prozent weniger Wohnungen genehmigt als im selben Zeitraum ein Jahr zuvor.

Verkehrte Welt also? Müsste es sich für Bauträger, aber auch Privatleute, nicht gerade jetzt lohnen, neue Wohnprojekte anzugehen – mit der Aussicht auf hohe Verkaufsgewinne, nachhaltig hohe Mieteinnahmen oder auf die eigenen vier Wänden, wenn man sie in Eigenregie baut?

Stimmt – in der Theorie. In der Praxis scheitern viele Vorhaben an der schlichten Tatsache, dass zum Bauen das Entscheidende fehlt: ein Grundstück. Oder genauer gesagt, ein Grundstück, dessen Preis in einer angemessenen Relation zum später erzielbaren Verkaufs- oder Vermietungserlös steht. Ein Blick in die Statistik verdeutlicht das Dilemma der Investoren.

So ist seit dem Jahr 2000 der Durchschnittspreis je Quadratmeter Bauland in Deutschland insgesamt um 46 Prozent gestiegen. Wohnimmobilien verteuerten sich aber nur um gut 25 Prozent, zeigen Daten des Statistischen Bundesamts. In den vergangenen fünf Jahren legten die Baulandpreise mit etwa fünf Prozent jährlich ebenfalls stärker zu als die Preise für Wohnimmobilien, die nur um vier Prozent pro Jahr stiegen.

Erschwerend kommt hinzu: „Dies sind deutschlandweite Durchschnittswerte. Ein regionaler Baulandpreisindex würde in den Wachstumsräumen noch deutlich höher liegen“, sagt Matthias Waltersbacher, Leiter des Referats Wohnungs- und Immobilienmärkte beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn.

Neben dem Mangel an Grundstücken führt die Branche einen weiteren Grund für die abnehmende Baulust an: verschärfte genehmigungsrechtliche Vorgaben. Insbesondere die Regelungen der 2016 angepassten Energieeinsparverordnung habe das Bauen weiter verteuert – um immerhin sieben Prozent, rechnet der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsbauunternehmen (BFW) vor. Die Tatsache, dass die Auftragsbücher von Bau- und Handwerksfirmen zurzeit prall gefüllt sind, verschlechtert noch zusätzlich die Lage der Projektentwickler: Ihre Position in den Preisverhandlungen mit Maurern, Dachdeckern oder Schreinern ist aktuell nicht die stärkste.

Vielerorts stagnieren die Mieten
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9 Kommentare zu "Baugenehmigungen: Verkehrte Welt auf dem Wohnungsmarkt"

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  • Der letzte geistig Arme, der heilig gesprochen wurde, war Zar Nikolaus der Zweite, den Putin zum Heiligen gemacht hat.

    Das ist in etwa so, als würde bei uns die katholische Kirche die Preußenkönige heilig sprechen, weil die noch für Ruhe und Ordnung gesorgt haben. In russischen Kirchen werden solche absolutistische Figuren nun, unter großem Gefallen von Putin, angebetet.

  • Auch die geistig Armen werden heilig Herr Maidan, von daher eine gute Zukunft für Sie Herr Maidan.

  • Gehn sie nach drüben Spiegel, aber hopp.

  • Jaaaa, aber natürlich Herr Spiegel! Dass Sie als AfD-Aktivist von der nationalsozialistischen Zeit ab 1933 träumen, das rundet das Bild ab. Eine Schande für Deutschland, dass Leute wie Sie nun im Bundestag sitzen.

    Völlig hirnverdreht wird ihre gleichzeitige Begeisterung für Hitler (damals) und Putin (heute).

  • Herr Maidan, ihr Versuch die Verkäufe von Sozial-Wohnungen der Einheitspartei
    zu verschleiern ,ist gescheitert. Seit Jahren werden Sozial-Wohnungen verkauft, in den Jahren 1933 -1939 kam so etwas nicht vor. Kann es sein, daß die größte sozialistische Partei auf deutschen Boden, so etwas nicht gemacht hat.

  • Da kann man sich natürlich fragen, welcher Partei man einen sozialen Wohnungsbau überhaupt zutraut. Die AfD hat sich ja bereits als VERMIETER-Partei präsentiert. Mit einem Hotel-Milliardär, der von russischen Oligarchen und israelischen Superreichen unterstützt wird, als Gallionsfigur, ist die Rechte Revolution das Schlimmste, was den Normalverdienern passieren kann...

  • Gut, dass die Projektierer nicht jede Preissteigerung mitmachen - sonst haben wir bald die Verhältnisse wie kurz vor der Finanzkrise 2007/2008 USA dann eben in Deutschland. Man sollte auf eine gewisse Preisstabilität beim Bauen aus sein - dann wird alles gut - bitte keine Übertreibungen!

  • "Verkehrte Welt auf dem Wohnungsmarkt"

    Nicht nur da.

  • Sehr geehrte Frau Wiktorin,

    lassen Sie uns beim Thema "Baugenehmigungen" auf zwei Aspekte zu sprechen kommen. Erstens geht es um Preise. Ich wohne in Stuttgart und suche seit 8 Jahren eine Eigentumswohnung mit etwa 100 bis 130 qm. Immoscout 24 mailt mir täglich 1 oder 2 Angebote zu. Ein erheblicher Teil dieser Angebote hat inzwischen die preisliche Schallmauer von 1 Million EURO überschritten.

    Also geht es bei den Baugenehmigungen auch um die Frage, für wen soll denn gebaut werden? Nur für Millionäre? Oder auch für Normalverdiener? Oder vielleicht sogar für sozial Schwache? Ihre Zahlen über Baugenehmigungen verraten dies nicht.

    Und was ist mit den Zahlen der Lobbyisten, wonach jedes Jahr 400 000 neue Wohnungen gebaut werden müßten? Auf 10 Jahre hochgerechnet, hätten wir dann 4 Millionen neue Wohnungen. Sie böten Platz für rund 12 Millionen neue Einwohner. Weiß man schon, woher die vielen Leute kommen sollen?

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