Bauindustrie fehlen die Aufträge
Die große Leere

Hohe Leerstände bei Büro- und Gewerbeimmobilien sowie im Wohnungsbau – insbesondere in Ostdeutschland – belasten die Baukonjunktur in Deutschland erheblich. „Wir befinden uns am langen Ende eines Schweinezyklus“, sagte Heiko Stiepelmann, Sprecher des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

HB agr DÜSSELDORF. Leerstandsraten bei Bürogebäuden zwischen gut 6 Prozent in Stuttgart und über 14 Prozent in Frankfurt dämpften die Investitionsneigung gewerblicher Investoren und damit die Baunachfrage.2003 erreichten die Leerstände in den wichtigen Bürohochburgen nach Angaben des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands Rekordniveau.

Der deutsche Wirtschaftsbau, der überwiegend vom Bau von Büroimmobilien bestimmt wird, wird nach Schätzungen des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie in diesem Jahr ein Umsatzminus von 3,5 Prozent erzielen. Die negative Grundtendenz in der Bauwirtschaft wird derzeit noch von Sonderfaktoren im Wohnungsbau überlagert. Die Diskussion über die Abschaffung der Eigenheimzulage hatte im vergangenen Jahr zu einem Boom bei den Baugenehmigungen für Eigenheime geführt. Häuslebauer wollten sich noch schnell die staatliche Zulage sichern. Diese Sonderkonjunktur hat sich inzwischen aber deutlich abgekühlt.

Der starke Rückgang der Baugenehmigungen für Nichtwohngebäude hielt dagegen im ersten Halbjahr mit minus 14,5 Prozent an. Dabei genehmigten die Behörden fast 25 Prozent weniger neue Büro- und Verwaltungsgebäude. Die Genehmigungen für den Bau von Fabriken und Werkstätten gingen um gut 13 Prozent zurück. Trotz des angestauten Modernisierungsbedarfs zeichne sich kein Ende der Abwärtsbewegung im Wirtschaftsbau ab, glaubt der Sparkassen- und Giroverband.

Eine Art „Schweinezyklus“ hat es auch im ostdeutschen Wohnungsbau gegeben. Nach einem Bauboom zu Beginn der 90er-Jahre gibt es inzwischen „zum Teil gravierende Wohnungsleerstände in Alt- und Plattenbauten“, so der Sparkassenverband: Da infolge Sonderabschreibung für Mietwohnungen für viele Kapitalanleger steuerliche Gesichtspunkte das ausschlaggebende Motiv für Investitionsentscheidungen gewesen seien, sei zeitweise am Bedarf vorbeiproduziert worden.

Heute finanziert der Steuerzahler ein Abrissprogramm, um die Krise auf dem ostdeutschen Wohnungsmarkt abzumildern. „Davon profitieren aber nicht unsere Mitglieder“, sagt Bauverbandssprecher Stiepelmann. Die Abrissfirmen, nur zum Teil Töchter von Baufirmen, sind in einem eigenen Verband in Düsseldorf organisiert.

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