Bauprojekt: Investoren unterschätzen „Stuttgart 21“

Bauprojekt
Investoren unterschätzen „Stuttgart 21“

Nach mehr als 16 Jahren Planungsphase rollen die Bagger am Stuttgarter Hauptbahnhof. Das größte deutsche innerstädtische Bauprojekt ist gestartet. Langsam erkennen Immobilieninvestoren, welche Chancen das Vorhaben für die aus allen Nähten platzende baden-württembergische Landeshauptstadt birgt.

STUTTGART. "Stuttgart 21", das größte innerstädtische Bauprojekt Deutschlands, ist an den Start gegangen. Für knapp sechs Mrd. Euro wird in den kommenden Jahren der alte Kopfbahnhof von 1928 durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof ersetzt sowie neue Teilstrecken zum Flughafen und nach Ulm gebaut. Dass der Umbau für Stuttgart auch eine große städtebauliche Chance bietet, wird jedoch von Immobilien-Investoren bislang kaum wahrgenommen.

Im Ausland und auch in weiten Teilen Deutschlands sei Stuttgart 21 höchstens als Verkehrsprojekt bekannt, hat eine Stichproben-Umfrage des Branchendienstes "Immobilienbrief Stuttgart" ergeben. Dabei könnten sich die freiwerdenden Großflächen als großer Glücksfall für die Immobilienbranche erweisen. Denn die Stadt platzt seit Langem aus allen Nähten. Ein Neubaugebiet von rund einem Quadratkilometer Größe (100 Hektar) mitten in bester Lage und mit optimaler ÖPNV-Anbindung erscheint deshalb vielen fast wie ein Gottesgeschenk.

Vor wenigen Tagen gaben der scheidende Ministerpräsident Günther Oettinger, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und Bahnchef Rüdiger Grube den Startschuss für die Bauarbeiten.

So umstritten das Projekt wegen seiner Kosten ist - auf die frei werdenden Flächen freuen sich die meisten Stuttgarter. Aufgrund ihrer Kessellage kann die baden-württembergische Landeshauptstadt bei wachsendem Platzbedarf nicht expandieren; jetzt gewinnt Stuttgart binnen eines Jahrzehnts einen neuen Stadtteil hinzu, der etwa ein Drittel so groß wird wie der New Yorker Central Park. "Die Stuttgarter Immobilienbranche steht praktisch geschlossen hinter Stuttgart 21", sagt Frank-Peter Unterreiner vom Verband Immobilienwirtschaft Stuttgart (IWS).

Denn bislang bescheren die Platzprobleme den Stuttgartern einige handfeste Standortnachteile im nationalen Wettbewerb. "Von den überregionalen Unternehmen will niemand nach Stuttgart kommen, und der Hauptgrund ist der enge Wohnimmobilienmarkt", sagt Sandro Camilli, Leiter des Stuttgarter Büros von Jones Lang Lasalle (JLL). "In Nordrhein-Westfalen können sich die Führungskräfte für 300 000 oder 400 000 Euro ein Haus leisten. In Stuttgart gibt es dafür höchstens eine Eigentumswohnung." Vor allem in der Innenstadt fehle es an bezahlbaren Angeboten, sagt Camilli. "Stuttgart 21 beschert uns deshalb die Chance auf hochwertigen Wohnraum in 1a-Lage und damit langfristig auch auf den Zuzug neuer Unternehmen."

Seite 1:

Investoren unterschätzen „Stuttgart 21“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%