Bauskandal Neue Hinweise auf Veruntreuung bei WCCB–Bau

Das World Conference Center in Bonn sollte zum Wahrzeichen des Aufbruchs in der alten Bundeshauptstadt Bonn werden. Stattdessen weitet sich der Skandal um den Bau weiter aus. Nun verdichten sich die Hinweise, dass der Investor Millionenbeträge veruntreut haben könnte.
  • Claudia Rometsch
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Es fehlen weiterhin Gelder, um das WCCB fertig zu bauen. Quelle: dpa

Es fehlen weiterhin Gelder, um das WCCB fertig zu bauen.

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BONN. In der Buchhaltung der Bauträgerfirma UNCC gebe es erhebliche Lücken, sagte der Sprecher von Insolvenzverwalter Christopher Seagon. Berichte, wonach für den Bau des WCCB bestimmte Gelder ins Ausland verschoben worden sein sollen, wollte der Sprecher zunächst nicht bestätigen. Der Verwendungszweck vieler Zahlungen sei noch nicht endgültig geklärt.

Bislang fehlen gesicherte Erkenntnisse über den Verbleib von rund 28 Millionen Euro. Denn insgesamt wurden rund 157 Mio. Euro für die Errichtung des Konferenzzentrums bereitgestellt. In den Bau flossen aber nach Angaben des Insolvenzverwalters nur 136 Mio. Euro, wobei Rechnungen in Höhe von sieben Mio. Euro nicht bezahlt wurden.

Die Investoren selbst hatten lediglich rund 28 Mio. Euro Eigenkapital in das Projekt eingebracht. Etwa 104 Mio. Euro erhielten sie durch einen Kredit der Sparkasse Köln-Bonn, für den die Stadt Bonn bürgt. Das Land Nordrhein-Westfalen zahlte nach Angaben des Düsseldorfer Bauministeriums bislang rund 25 Mio. Euro Fördermittel für den Bau aus.

Laut Seagon würde die Fertigstellung des WCCB rund 74 Mio. Euro kosten. Die Stadt Bonn will das Kongresszentrum nun in Eigenregie oder mit Hilfe eines neuen Investors fertig bauen und strebt die Rückübertragung von Grundstück und Bauprojekt an die Stadt an. Ziel ist es nach Angaben der Verwaltung, den Bau bis Mitte 2011 zu vollenden. Der sogenannte Heimfall des Projekts an die Stadt wurde rechtlich möglich, nachdem die vom amerikanisch-koreanischen Investor SMI Hyundai gegründete Bauträgerfirma im vergangenen Herbst Insolvenz anmelden musste.

In dem Bauskandal ermittelt die Staatsanwaltschaft Bonn mittlerweile gegen vier Manager wegen Betrugsverdacht sowie gegen zwei Berater der Investoren. Zudem laufen Ermittlungen gegen die frühere Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD) und die beiden ehemaligen WCCB-Projektleiter der Stadtverwaltung wegen des Verdachts der Untreue.

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2 Kommentare zu "Bauskandal: Neue Hinweise auf Veruntreuung bei WCCB–Bau"

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  • inzwischen kommt man in bonn nicht mehr an der grausigen Realität vorbei.
    Das "Heimfall" - Konzept, an das sich Ob Jürgen Nimptsch (SPD) lange geklammert hatte, war wohl ein glatte Niete. Jetzt hagelt es Kritik, nicht zuletzt wegen der verlorenen Zeit.
    Die Verwaltung selbst hat nun "berechnet": Eröffnung des "Teil - WCCb" nicht vor August 2013.

    WCCb startet erst 2013
    Die baustelle des WCCb (WDR - Lokalzeit vom 19.01.2011):

    “im Zusammenhang mit dem World Conference Center sind die bonner ja nun wirklich Kummer gewöhnt. Und nichts haut den bürger vermutlich noch um. Doch jetzt ist eine weitere Katze aus dem Sack. Mehrmals wurden Zeitpläne aufgestellt und wieder korrigiert. Jetzt liegt der Lokalzeit exklusiv der aktuellste Plan vor und der ist mehr als ernüchternd. Vor dem 22. August 2013 ist mit einer Eröffnung des Pleitebaus nicht zu rechnen. Und dabei hätte das Konferenzzentrum längst seit mehr als einem Jahr fertig sein müssen.”

    immer deutlicher wird: mit dem Heimfall wäre u.a. auch ein "Einebnen" der Verantwortlichkeiten verbunden gewesen. Nicht zuletzt der, der Ex - Ob bärbel Dieckmann (SPD), heute Präsidentin der Welthungerhilfe.
    ihr "infrastruktur - baby", das WCCb, nun viel bescheidener umgetauft zu bCC, wird eine quälerische Zangengeburt.


  • Obwohl der bonner Ob Jürgen Nimptsch (SPD) damit die Gemüter beruhigt, der sog. Heimfall des Projekts ist eine völlig unsichere bank, von der bis heute keiner weiß, was dann auf die Stadt bonn zukommen könnte.
    in Deutschlands vermutlich größtem bau-Polit-Finanzskandal aus der Ära Dieckmann (SPD) sind nun plötzlich neue Aktenordner aufgetaucht, die den fertigen bericht des Rechnungsprüfungsamtes (RPA) zur "Entwurfsfassung" abmindern.
    Dieser bericht, der eine personelle Eruption in der Verwaltung auslösen könnte, wird nun noch etwas auf sich warten lassen.
    Währenddessen hat die Staatsanwaltschaft bonn weiter ermittelt und gegen den Leiter des Städtischen Gebäudemanagements Friedhelm Naujoks (SPD) und zwei seiner engsten Mitarbeiter ein Verfahren eingeleitet. Das Team soll Testate gefälscht haben, um an Landesmittelmillionen zu kommen. Der Vorwurf: betrug in besonders schwerem Fall. bekanntlich war beim WCCb Projekt irgendwann die baukasse leer und die versprochenen Fremdinvestitionen blieben aus.
    Der RPA bericht wird vermutlich nicht nur Sach-, sondern auch Verantwortungsfragen klären.
    bei der Überlagerung von zivilrechtlichen Problemen (das Projekt steht unter Zwangs- und insolvenzverwaltung) und strafrechtlichen Tatbeständen (bestechung, betrug, Untreue)ist nicht abzusehen wann der gestrandete "WCCb - Pott" wieder in ruhiges Fahrwasser gelangen könnte.

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