Bausparberatung: „Das ist der Gipfel der Verlogenheit“

Bausparberatung
„Das ist der Gipfel der Verlogenheit“

Verbraucherschützer Niels Nauhauser attackiert die Bausparkasse Wüstenrot heftig. Deren Chef hatte im Handelsblatt seinen Beratern mehr Fairness empfohlen. Nauhauser rät Kunden, sich zu beschweren.
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DüsseldorfDer Stuttgarter Verbraucherschützer Niels Nauhauser nimmt kein Blatt vor den Mund. „Verbraucherschädigendes Anbieterverhalten hat System“, sagte er auf eine Anfrage von Handelsblatt Online zum Beratungsverhalten der Bausparkasse Wüstenrot.

Das Handelsblatt berichtet in seiner Dienstagsausgabe von Lockangeboten, die sich überhaupt nicht lohnen. Die Kunden sollten aus einem attraktiv verzinsten Alt-Vertrag aussteigen und in einen weniger attraktiv verzinsten Vertrag einsteigen. Wenn Wüstenrot-Vertreter dies umsetzten, könnten sie viel Geld verdienen.

In einem Markt, der von Bonis und Provisionen dominiert werde, gebe es keine bedarfsgerechte Finanzberatung, erklärte Nauhauser, der für die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg arbeitet. Seit Jahren seien die Probleme bekannt. Schrottimmobilien würden nicht wegen ihrer Renditeaussichten verkauft, Zertifikate nicht wegen ihrer Geeignetheit für den Anleger. Dasselbe gelte für überteuerte Investmentfonds mit skurrilen Anlageideen.

Warum wohl würden Bausparverträge mit mickrigen Zinsen und überflüssigen Versicherungen verkauft? Warum gebe es überteuerte und unflexible Riester Verträge, die dann nach wenigen Jahren schon wieder umgedeckt würden? So fragt Nauhauser und liefert seine Antwort: „Die Symptome des Marktversagens sind offenkundig, und eine wesentliche Ursache liegt im Vergütungssystem, das auf Boni, Provisionen und Margen basiert.“

Der Verbraucherschützer reagierte zudem direkt auf ein Interview in der Dienstagsausgabe des Handelsblatt. Der Vorstandsvorsitzende des Versicherungs- und Bausparkonzerns Würtembergische & Wüstenrot (W&W), Alexander Erdland, sagte darin unter anderem: „Jedem im W&W Konzern muss klar sein, dass wir es nicht akzeptieren, einen Kunden zu seinem Nachteil zu beraten."

Nauhauser dazu: „Das ist eine Steilvorlage an alle Kunden des Konzerns (also auch Versicherungskunden), die schlecht beraten wurden. Sie können damit Erdland beim Wort nehmen und Schadenersatzansprüche oder Rückabwicklungsansprüche geltend machen.“ Die Verbraucherzentrale freue sich über Rückmeldungen, die zeigten, dass der Konzern Wort halte.

Erdland sagte auch: „Ich erwarte von unseren Beratern Fairness und Kundenorientierung.“ Für Nauhauser ist diese Aussage nicht akzeptabel. „Das ist der Gipfel der Verlogenheit, wenn hausintern noch im September Anreizsysteme praktiziert werden, die das exakte Gegenteil bewirken.“ Aber Verlogenheit sei vermutlich eine Charaktereigenschaft, die in dieser Branche Karrieren erst möglich mache.

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  • Ich hab mich schon immer gefragt: wozu braucht man so einen Bausparvertrag; und: zu einem Vertragsabschluß gehören immer zwei Parteien. Immer noch.

    Letztendlich: gute Banker, Rechtsanwälte und Steuerberater gibt es nunmal nicht wie Sand am Meer.

  • Die Wüstenrot steht hier nur stellvertretend für das Groß der Bausparkassen. Ob LBS, BHW, Schwäbisch-Hall oder sonstige Bausparkassen. Bei allen werden die selben Praktiken angewendet. Häufig liegt's nicht an den Bausparkassen selber, sondern an deren Berater. Da gibt es gute und weniger gute. Welche die auf Provisionsmaximierung aus sind oder sich halt dafür entschieden haben ehrlich zu bleiben. Denn liebe Makler, Struckis, Versicherungsvertreter, Bankberater und Bausparkassenvertreter. Ehrlichkeit währt am längsten.

  • Die Bausparkasse Wüstenrot ist offensichtlich ein unseriöser Branchenvertreter und zeigt, dass man sich besser mit solchen Unternehmen nicht einläßt. Am besten sein Geld so gut (und wenn) es geht abziehen und besser anlegen. Dann wird der Markt bereinigt!

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