Behörden in Spanien suchen nach Schwarzgeld
Ferienimmobilien: Party zu Ende

Deutsche Eigentümer eines Ferienhauses in Spanien geraten unter Druck. Die Suche der Behörden nach illegalen Bauten und nach Schwarzgeld verunsichert den Markt.

Marbella, Stadtteil Elviria, in der Nähe eines Golfplatzes. Ein Anwesen mit Meerblick, 400 Quadratmeter Wohnfläche, 1 200 Quadratmeter Grundstück inklusive Pool ist aktuell für 1,65 Millionen Euro zu haben - plus Courtage für den deutschen Makler. Sein Kollege, der eine Villa nahe des Yachthafens Puerto Banús anbietet, hat die Preislatte noch höher gehängt: 3,85 Millionen Euro für 897 Quadratmeter bebaute Fläche auf 3 843 Quadratmeter Grundstück. Gut möglich, dass beide Häuser Käufer finden, die nicht nach dem Geschmack der Nachbarn sind. Marbella war dank seiner Schönheit für Jahrzehnte ein ideales Domizil für Erholung suchende Manager und Stars, doch jetzt droht die Stadt ihren Nimbus zu verlieren. "Früher waren es Prominente, die das Volk im Yachthafen bestaunte", klagt Antonio Núñez Peralta, Chef des Unternehmerverbandes Apymem, "heute macht sich ungehemmt die Prostitution breit."

Seit Anfang des Jahres sind die vielen kleinen Touristik- und Gastronomieunternehmen, die Kioske sowie Taxifirmen in der Krise. Die kaufkräftigen Urlauber bleiben aus. Mit Hilfe der Lokalpolitiker, schimpft Peralta, hätten Mafiabosse aus dem ehemaligen Fischerort eine "Geldwaschmaschine gemacht", die an der gesamten Costa del Sol operiere, indem sie mit Schwarzgeld illegal Häuser hochziehe. Darunter leiden nun Marbellas etablierte Immobilienbesitzer. Auch weil die spanische Zentralregierung jetzt an der Costa del Sol aufräumt.

Wegen Korruption und Verstößen gegen die Umweltgesetze wurde im April fast die gesamte Gemeinderegierung verhaftet. Drahtzieher war Bauamt-Chef Juan Antonio Roca. Vor wenigen Tage traf es zahlreiche Führungskräfte von Bauträgern, darunter auch Aifos, die auch in Deutschland Niederlassungen haben und im Jahr rund 350 Millionen Euro Umsatz machen. Ihnen und anderen wird vorgeworfen, mit Roca gemeinsame Sache gemacht zu haben. Gegen Schmiergeld wurden nach Belieben Feriensiedlungen und Hotels hochgezogen, Wohnungen vom Plan verkauft, für die es noch gar keine Baugenehmigung gab. Das Parlament in Marbella wurde inzwischen aufgelöst, eine Übergangsregierung eingesetzt.

Diego Martín, bis zu den Wahlen im Sommer 2007 kommissarischer Bürgermeister Marbellas, lässt derweil die Muskeln spielen. Er hat gerade erst die Immobilie beschlagnahmen lassen, in der das Vier-Sterne-Hotel Senator sowie rund 100 Wohnungen untergebracht sind und das gegen die Baugesetze verstößt - das Grundstück war für soziale Zwecke vorgesehen.

Martin Züchner vom britischen Immobilienberater KingSturge in Madrid warnt: "Beim Thema Korruption war das erst der Anfang. Da werden gerade an der Costa del Sol noch mehr Fälle dieser Art aufgerollt." Denn jahrelang wurden die Schwarzbauten an Spaniens Küsten als wirtschaftliche Belebung geduldet. Jetzt, wo das Image des ganzen Landes auf dem Spiel steht, wollen Politiker davon nichts mehr wissen. Selbst international renommierte Bauträger wie Polaris World sollen durch Bestechung Ferienhausprojekte hochgezogen haben. Weniger betroffen ist Mallorca, wo seit Jahren ein Baustopp gilt und Ferienhäuser sowie Hotels, die gegen die Umweltgesetze verstoßen hatten, abgerissen wurden.

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