Berlin
Kicken ist lukrativer als Regieren

Das Hauptstadtdasein ist ein Verlustgeschäft, heißt es in Berlin. Die Fußball–WM hingegen zahlt sich für die Wirtschaft der Stadt offenbar aus

HB BERLIN. Die Spiele der Fußballweltmeisterschaft im Sommer in Berlin werden der Wirtschaft der deutschen Hauptstadt nach Berechnungen der hiesigen Industrie- und Handelskammer zu Berlin (IHK) 500 Millionen Euro zusätzlich in die Kasse spülen. Damit ist Kicken weitaus lukrativer als Regieren. Die Hauptstadtfunktion erweist sich unter dem Strich nämlich als Verlustgeschäft, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, Berlin, jetzt ermittelte.

Für die Zeit zwischen dem 9. Juni und dem 9. Juli dieses Jahres rechnet die IHK durch die Spiele mit einer Steigerung des Bruttoinlandsproduktes um 0,5 Prozentpunkte, was einem Plus von circa 500 Millionen Euro entspricht. Für rund 400 Millionen Euro werden zusätzliche Waren und Dienstleistungen abgesetzt, 80 bis 100 Millionen Euro werden die Gäste in Hotels und Pensionen tragen, ermittelten die Wirtschaftsvertreter in ihrer jüngsten Konjunkturumfrage.

„In den vier Wochen werden die 80 000 Hotelbetten der Stadt zu 90 bis 95 Prozent ausgelastet sein. Das sind zehn bis 15 Prozent mehr als normalerweise zu dieser Zeit“, bestätigt Hans Eilers vom Hotel- und Gaststättenverband Berlin. Aus dem Ausland erwartet der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Ludger Hinsen mindestens 150 000 zusätzliche Gäste. Bernd Schiphorst, der Vorsitzende des Berliner WM-Organisationskomitees, geht sogar von 400 000 Besuchern aus, die allein der Kicker zuliebe nach Berlin reisen.

Ihren Optimismus nähren die Akteure aus einer von der IHK und dem Landessportbund Berlin (LSB) in Auftrag gegebenen Studie. Danach beliefen sich die zusätzlichen Einnahmen allein bei vier sportlichen Großereignissen des vergangenen Jahres auf insgesamt 156 Millionen Euro. Unter die Lupe genommen wurden der Berlin-Marathon, das Istaf-Stadionfest, das Internationale Deutsche Turnfest und die Beach-Volleyball-WM (siehe Kasten). Im Durchschnitt gab jeder Besucher 104 Euro am Tag aus. Davon entfielen etwa 25 Euro auf die Übernachtung, für 24 Euro wurde eingekauft, noch einmal so viel kostete Essen und Trinken, 20 Euro waren Aktivitäten außerhalb der Sportveranstaltung wert. Sightseeing ließen sich die Gäste im Schnitt sechs Euro kosten, Verkehrsmittel fünf Euro. Hochgerechnet auf die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste ergibt sich daraus eine Summe von 482 Euro pro Kopf und Nase. „Von den Besuchern und Journalisten, die zur Fußball-WM kommen, profitieren vor allem die Tourismuswirtschaft und der Einzelhandel“, hofft Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS). Bereits heute seien die vielfältigen Event- und Werbeagenturen der Stadt Nutznießer des Spektakels rund um die Kicker, ergänzt Bernd Schiphorst. Allein die vielfältigen „Public-viewing“-Aktivitäten an prominenten Orten Berlins sorgten für Jobs und Umsatz. Und auch das schnelle Umschalten nach Absage der Gala im Olympia-Stadion auf das Ausrichten einer Fanmeile am Brandenburger Tor bezeichnet der Berliner WM-Chef als diesbezüglich sehr hilfreich.

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