Betreiber kündigt Vertrag
Heiligendamm: Anlegern droht Ärger

Das Luxushotel in Heiligendamm ist seit dem G-8-Gipfel im Sommer 2007 weltbekannt. Doch eine Erfolgsgeschichte ist aus dem aufwändig sanierten Hotel nicht geworden. Jetzt steigt der Betreiber, die Kempinski AG, aus. Das wirtschaftliche Risiko tragen Anleger, die das Projekt mittels eines geschlossenen Fonds finanziert haben.

rrl/HB HEILIGENDAMM. Das Luxushotel in Heiligendamm ist weltbekannt. Die Staatschefs der sieben führenden Industrienationen und Russlands stiegen hier während des G-8-Gipfels im Juni 2007 ab. Doch jetzt droht Ärger im Ostsee-Paradies: Betreiber Kempinski hat seinen Vertrag gekündigt und will nichts mehr mit dem 215 Zimmer großen Grand Hotel zu tun haben. Als Grund gibt Kempinski an, der Geldgeber, die Fundus-Gruppe, habe Gebühren nicht bezahlt und sich ins Tagesgeschäft eingemischt. Geplante größere Investitionen seien nicht durchgeführt worden, beklagt Kempinski. Außerdem sei zu wenig für die Attraktivität des Hotels getan worden.

Eigentümer des Hotels sind Anleger, die in einen geschlossenen Fonds der Fundus-Gruppe investiert haben. Das Grand Hotel in Deutschlands ältestem Seebad Heiligendamm war seit Mitte der 90er Jahre mit über 200 Mio. Euro von der Fundus-Gruppe saniert worden. Ähnlich war Fundus mit dem "Adlon" in Berlin verfahren.

Die Fundus-Gruppe erhebt nun ihrerseits Vorwürfe: "Kempinski hat es in sechs Jahren nicht geschafft, den wirtschaftlichen Erfolg auch nur annähernd zu erreichen", sagt Martin R. Smura, der die Anleger gegenüber Kempinski vertritt und zurzeit das Hotel leitet. Die Eigentümer seien mit der Kündigung zufrieden, da von ihrer Seite ein ähnlicher Schritt geplant war. Der Fonds habe Gegenforderungen in Millionenhöhe. Das Hotel soll in Eigenregie weiter betrieben werden. Die rechtlichen und finanziellen Differenzen könnten nur gerichtlich geklärt werden.

Schon bei Auflegung des Heiligendamm-Fonds im Jahr 1998 kritisierten Fondsanalysten, dass Fundus den Anlegern das Risiko eines Managementvertrages zumutet. In diesem Fall trägt der Anleger das wirtschaftliche Risiko. Hätte Fundus mit Kempinski einen Pachtvertrag abgeschlossen, wie er im deutschen Hotelgewerbe über viele Jahre Standard war, hätten die Anleger über die Laufzeit fixe Einnahmen gehabt. Ob sich ein Betreiber auf einen Pachtvertrag eingelassen hätte, kann nur spekuliert werden. Offensichtlich waren die Annahmen zu Bettenpreisen und Hotelauslastung zu optimistisch.

Kempinski betreibt nach eigenen Angaben weltweit derzeit 55 Luxushotels und Resorts. 19 Hotels seien in den vergangenen zwei Jahren aus dem Portfolio entfernt worden, weil sie den Kempinski-Standards nicht entsprachen.

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