Betrugsverdacht
WCCB-Manager und Architekt in Haft

Mit dem Bau des World Conference Centers will Bonn sich auch nach dem Verlust des Hauptstadttitels weiter als internationale Konferenzstadt etablieren. Doch nun sind die Baukosten explodiert und die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Architekten und Generalübernehmer des WCCB - wegen des Verdachts der Untreue und Bestechlichkeit.
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BONN.Der Krimi um das World Conference Center Bonn (WCCB) geht weiter. Wegen finanzieller Ungereimtheiten beim Bau ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Gegen den Architekten und Generalübernehmer des WCCB, Young-Ho Hong, sowie gegen den Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft WCCB Management, Michael Thielbeer, erging nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bonn am Mittwoch Haftbefehl. Beide sitzen in Untersuchungshaft. Gleichfalls ermittelt werde gegen den Geschäftsführer der Bauträgergesellschaft UN Congress Center Bonn, Man-Ki Kim. Mit ihm habe die Staatsanwaltschaft aber noch nicht sprechen können, hieß es. Kim hält sich nur sporadisch in Deutschland auf. Gegen die Beschuldigten besteht laut Staatsanwaltschaft der Verdacht des Betrugs zum Nachteil der Stadt Bonn sowie der Untreue und Bestechlichkeit.

Thielbeer war ursprünglich als Berater für die Stadt Bonn tätig und hatte der Stadt Man Ki-Kims Firma SMI Hyundai als Investor für den Bau und Betrieb des WCCB empfohlen. Nachdem das amerikanisch-koreanische Unternehmen den Zuschlag erhielt, trat Thielbeer in dessen Dienste. Weiterer Hintergrund der Ermittlungen ist zudem die bislang nicht hinreichend plausibel erklärte Baukostenexplosion von knapp 140 auf 200 Mio. Euro. Die Staatsanwaltschaft ließ in Geschäfts- und Privaträumen der Beschuldigten in Bonn, Düsseldorf, Berlin und Hessen zahlreiche Unterlagen beschlagnahmen. Diese würden nun ausgewertet, um zu prüfen, ob öffentliche Gelder veruntreut wurden. Der Bund hatte für das WCCB den früheren Bundestag und angrenzende Grundstücke zur Verfügung gestellt. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte den Bau mit 38,5 Mio. Euro gefördert.

Das Projekt steht inzwischen kurz vor der Insolvenz. Ursache dafür ist neben der Baukostensteigerung auch ein Streit um die Eigentumsverhältnisse. 94 Prozent der Anteile an der UN Congress Center Bonn übernahm der koreanische Finanzinvestor Honua, nachdem SMI Hyundai das erforderliche Eigenkapital in Höhe von 40 Mio. Euro nicht aufgebracht hatte. Firmenchef Kim hatte diese Anteile jedoch im Gegenzug für einen Kredit auch an den israelischen Finanzinvestor Arazim verpfändet. Das Darlehen über angeblich zehn Mio. Euro hatte Kim zu spät zurückgezahlt. Vor dem Hintergrund der ungeklärten Eigentumsverhältnisse blieb Honua eine für Ende Juni vertraglich vereinbarte Zahlung von 32 Mio. schuldig, die für den Weiterbau benötigt wird.

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