Bevölkerungsrückgang
Mit der Abrissbirne gegen Wohnungsleerstand

Der demografische Wandel und die die Flucht in Ballungszentren breiten sich in vielen Regionen aus. Der Leerstand in strukturschwachen Gebieten zieht massiv an. Städte wie Cottbus reagieren mit drastischen Maßnahmen.
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DüsseldorfWer einen Blick in die Zukunft vieler deutscher Städte werfen will, dem empfiehlt sich eine Reise in den Osten des Landes. Nach Cottbus zum Beispiel. Hier hat die Stadt den Rückzug angetreten, und das gründlich. Plattenbauten aus der DDR-Zeit reißt sie nach und nach nieder und pflanzt auf den gewonnenen Flächen Bäume. Etwa im Stadtteil Sachsendorf-Madlow. 5000 Wohnungen sind in der einst größten Plattenbausiedlung Brandenburgs schon dem Boden gleichgemacht worden. Die Natur hat die Stadt zurück und eine alternde, schrumpfende Bevölkerung richtet sich auf den weiteren Niedergang ein: 30 von 34 Kindergärten und neun von zwölf Schulen sind bereits geschlossen.

„Stadtumbau“ heißen solche Abrissprogramme beschönigend auf Behördendeutsch, und der Cottbuser Bürgermeister Frank Szymanski feiert sie als „ausgesprochene Erfolgsgeschichte“. Was bleibt ihm auch? Angesichts einer Bevölkerungszahl, die von 129.000 zur Wendezeit bis 2020 auf 87.000 sinken wird, ist der geordnete Rückzug auf sanierte Kerne besser, als einen zerfallenden Kranz von Geisterstadtteilen entstehen zu lassen.

Im Rahmen des „Stadtumbaus Ost“ hat das Bundesbauministerium seit 2002 den Abriss von mehr als 280.000 Wohnungen gefördert. Doch der Leerstand beträgt noch immer zehn Prozent. Weitere 30.000 Wohnungen müssen bis 2025 Jahr für Jahr weichen, um einen Anstieg der Leerstände in ostdeutschen Städten zu verhindern, heißt es in einem Zwischenbericht.

Geistersiedlungen sind keineswegs nur ein Ostproblem. Längst gibt es ein Programm „Stadtumbau West“, denn auch in der alten Bundesrepublik gibt es Städte und Stadtteile, in denen die Bevölkerungszahlen dramatisch sinken. Das trifft vor allem die Betonklötze aus dem sozialen Wohnungsbau der 70er-Jahre. Der großflächige Abriss ist hier jedoch die Ausnahme.

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Mit der Abrissbirne gegen Wohnungsleerstand

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