„Blauer Turm“ wird Wohngebäude
Der neue Hingucker in der Frankfurter Skyline

Der ehemalige Büroturm der Union Investment in Frankfurt wird zu einem Wohngebäude. Das Projekt ist das erste von Ole Scheerens Architektenbüro in Europa. Highlight sollen die aufgesetzten Loft-Etagen werden.
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Peking/Frankfurt„Wir machen aus dem schweren Betonbau ein ganz leichtes, offenes Gebäude“ – so fasst Ole Scheeren sein Vorhaben zusammen. Aus dem 93 Meter hohen Büroturm der Union Investment im Frankfurter Bahnhofsviertel entsteht ein modernes, transparentes Wohngebäude mit Apartments, die mit weiten Fenstern einen Traumblick über die Silhouette der Metropole und den Main versprechen.

Der deutsche Architekt, der nicht nur für seine Wolkenkratzer in Asien, sondern auch für seine Wohnkonzepte weltweit bekannt ist und Preise gewonnen hat, verfolgt einen radikalen Entwurf. „Es ist klar, dass wir die Fassaden abtragen und das Gebäude damit öffnen, um es aus seiner Verschlossenheit zu befreien“, sagt der 46-Jährige in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Peking.

Es ist das erste Projekt in Europa seines 2010 in der chinesischen Hauptstadt gegründeten Architekturbüros. Neben Niederlassungen in Bangkok und Hongkong hat Scheeren seit zwei Jahr auch ein Büro in Berlin. „Wir gehen nach Europa und zeigen, dass wir nicht nur riesengroße Gebäude in Asien bauen können, sondern dass wir ein Interesse daran haben und es schaffen, unsere Erfahrung in diesem Kontext auch für andere Maßstäbe innovativ zu nutzen“, sagt er.

„Die Umnutzung ist ein interessantes und komplexes Thema.“ So suchte Scheeren in dem bestehenden Hochhaus besondere Qualitäten, die dem Umbau zugutekommen konnten. „Ich fand es interessant, darüber nachzudenken, was man aus Bestand machen könnte.“ Was lässt sich in einem veralteten, weniger schönen Haus finden, was es sonst vielleicht nicht gibt, wenn neu gebaut wird?

Scheeren fand diese Qualitäten in der ungewöhnlichen Tragstruktur des alten Klotzes, die er dazu nutzt, um von ihm sogenannte „Horizont- oder Panoramaplatten“ in das Gebäude einzuziehen. So wird eine komplett freie Aussicht auf die Stadt ermöglicht, was bei einem Neubau viel zu teuer geworden wäre. „Wir geben dem Haus damit visuell eine horizontale, schwebende Struktur“, sagt Scheeren. „So können wir einem Gebäude einen sehr offenen und leichten Ausdruck abgewinnen, was vorher genau das Gegenteil war.“

Balkone, Terrassen, Bepflanzungen und große Fensterfronten sollen ein Gefühl der Freiheit geben. „Plötzlich wird es zu einer total coolen Sache, die wir durch die intelligente Umdefinition der gefundenen Substanz erzeugen“, sagt Scheeren. „Es ist ein schlaues Herangehen an ein Gebäude, das erstmal aussieht wie ein Problem.“

Der alte Büroturm, den der – erst vor einer Woche gestorbene – Architekt Albert Speer Junior und die Neue Heimat Städtebau 1977 errichtet hatten, ist typisch für die Architektur jener Zeit. Was die einen als „hochbunkerartig“ kritisieren, finden andere zumindest „prägnant“. Zuletzt wurde der Turm nachts blau, weiß angestrahlt und „Blauer Turm“ genannt. Die Union Investment hatte ihren Hauptsitz aber schon 2015 in den WINX-Tower (Maintor) verlagert.

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Neue markante Loft-Etagen

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