Branche „droht" gutes Jahr
Bausparen boomt

Die Bausparkassen profitieren seit Jahresanfang von einer spürbar ansteigenden Nachfrage. Die großen Anbieter melden für die ersten Monate zweistellige Zuwächse im Neugeschäft. Auch im weiteren Verlauf des Jahres werde diese positive Entwicklung anhalten, prognostizieren die Bausparkassen.

nw FRANKFURT/M. Das starke Interesse an Baufinanzierungen hat nach Einschätzung der Anbieter eine Reihe von Ursachen: Die hohe Volatilität an den Kapitalmärkten und der Rückgang der Aktienkurse lassen den sicheren Bausparvertrag interessant erscheinen. „Die sicherere Kapitalanlage und die eigenen vier Wände sind attraktiver geworden“, sagt ein Sprecher der Wüstenrot & Württembergische AG.

Rüdiger Wiechers, Vertriebsvorstand der Allianz Dresdner Bauspar AG, sieht auch die Debatte über die Eigenheimzulage als Triebkraft. „Je weniger künftig gefördert wird, umso mehr Eigenkapital müssen die Kunden künftig mitbringen“, sagt er. „Und die Leute fangen jetzt an vorzusorgen.“ Die Landesbausparkassen nennen einen weiteren Grund: Vor sieben Jahren habe es einen Bauspar-Boom gegeben, nachdem die Bauspar- und Wohneigentumsförderung verbessert worden war. Daraus folge heute ein reges Geschäft mit Erhöhungen oder Anschlussverträgen, so eine Sprecherin.

Die elf öffentlich-rechtlichen Landesbausparkassen (LBS) – sie sind Teil der Sparkassengruppe – sind zusammengenommen der größte Anbieter von Bausparprodukten mit 36 % Marktanteil nach eigenen Angaben und rund neun Millionen Kunden. Unter den Privaten ist Schwäbisch Hall die Nummer Eins. Sie ist die zentrale Bausparkasse der genossenschaftlichen Bankengruppe.

„Unser Bauspar-Neugeschäft läuft in diesem Jahr sehr gut. In den ersten fünf Monaten verzeichnen wir einen Zuwachs von 30 Prozent“, sagt Schwäbisch-Hall-Vertriebsvorstand Gerhard Hinterberger. Im Mai würden es voraussichtlich sogar 40 Prozent sein. Für die zweite Jahreshälfte geht Hinterberger von einem „weiter florierenden Neugeschäft“ aus. Die zum Generali-Konzern gehörende Bausparkasse Badenia konnte das Neugeschäft von Januar bis April um 25 % gegenüber dem Vorjahr auf 1,6 Mrd. Euro steigern. Die Zahl der Verträge stieg um 30 % auf knapp 94 000. Der Badenia- Vorstandsvorsitzende Dietrich Schroeder hofft, „die genannten Steigerungsraten in 2003 insgesamt durchhalten zu können“.

Alle Landesbausparkassen zusammen verzeichneten bis Ende April einen Anstieg der Bausparsumme um gut 36 % auf über 12 Mrd. Euro, allerdings gegenüber einem schwachen Neugeschäft im Vorjahr. Die Zahl der Verträge sei um 33 % auf 617 000 gestiegen, sagt eine Sprecherin der LBS-Bundesgeschäftsstelle in Berlin.

Auf mittlere Sicht sehen sich die Bausparkassen zwei gegenläufigen Trends gegenüber: Nach wie vor ist die selbst genutzte Immobilie in den Augen vieler Menschen eine sehr gute Form der privaten Altersvorsorge. Damit steht sie vor der privaten Rentenversicherung, Kapitallebensversicherungen, Aktienfonds und Aktien, wie zum Beispiel eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ergeben hat.

Andererseits beschert die drohende Kürzung der Förderung den Bausparkassen zwar derzeit gute Geschäfte, weil Kunden Finanzierungen vorziehen. Doch später wird die Kürzung oder Streichung der Eigenheimzulage „vielen Menschen den Schritt in die eigenen vier Wände unmöglich machen“, sagt der Badenia-Vorstandsvorsitzende Dietrich Schroeder. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hat in der vorigen Woche erneut die Streichung der Eigenheimzulage ins Gespräch gebracht. Die von ihm bereits vor Monaten schon einmal geplante Kürzung der Eigenheimzulage war Anfang April am Widerstand der Union im Vermittlungsausschuss gescheitert. Die Kürzung war Bestandteil des von Eichel geplanten Gesetzes zum Abbau von Steuervergünstigungen.

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