Briten brachten Idee nach Deutschland
Der Gewerbepark ist ein Kind der Siebziger Jahre

Die Geschichte des Gewerbeparks in Deutschland ist noch jung: Erst vor etwa 30 Jahren entstanden die ersten Gewerbeansiedlungen auf der sprichwörtlichen grünen Wiese. Anfang der 90-er Jahre schließlich interessierten sich erstmals institutionelle Anleger für diese spezielle Form der Gewerbeimmobilie.

DÜSSELDORF. Fachleute definieren Gewerbeparks als eine in Konzeption und Architektur in sich geschlossene Einheit, bestehend aus mehreren Gebäuden mit einer modulartigen und flexiblen Kombination von Lager-, Service- und Büroflächen. Dabei siedeln sich dort sowohl vertriebsorientierte Unternehmen mit hohem Lager- und Serviceflächenbedarf wie auch reine Büronutzer an.

Die ersten Gewerbeparks wurden ab Mitte der 70er Jahre in einfacher Bauweise mit angegliederten Büroflächen und einem Lagerflächenanteil von bis zu 80 Prozent errichtet, der Anteil an Grünflächen war zu dieser Zeit noch vergleichsweise gering. Dazu zählen unter anderem die im Großraum Düsseldorf zwischen 1975 und 1981 von angelsächsischen Developern nach dem Vorbild britischer Gewerbe- und Industrieparks realisierten Gewerbeparks in Hilden, Erkrath, Erkrath-Hochdahl, Neuss und Ratingen mit Nutzflächen zwischen 16 000 und 26 000 Quadratmetern.

Weiteres Merkmal dieses Gewerbepark-Typs ist neben der einfachen Bauweise der Standort: Die ersten Projekte wurden in direkter Autobahnnähe auf der "grünen Wiese" errichtet. Sie weisen in ihrer Konzeption eine deutliche Zielrichtung auf Lagerhaltung und Vertrieb mit einem hohen Anteil Schwerlastverkehr auf.

Erst Mitte der 80er Jahre gewann angesichts des steigenden Büroanteils der "integrierte Standort" im Stadtgebiet mit "guter Adresse" und besserer Infrastruktur im direkten Umfeld an Bedeutung. Möglich wurde dies unter anderem durch die Umnutzung ehemaliger Industrieflächen.

Beste Beispiele sind der auf den Flächen des ehemaligen Thyssen Gussstahlwerk in Düsseldorf-Heerdt realisierte "Hansapark" mit rund 60 000 Quadratmeter Nutzfläche und einem Grünflächenanteil von etwa 25 Prozent. 1986 wurde er von der Landeshauptstadt mit dem Umweltschutzpreis ausgezeichnet.

Zweites Beispiel ist der "Wahler Park" in Düsseldorf-Rath mit etwa 33 000 Quadratmeter Nutzfläche auf dem ehemaligen Industriegelände der Sack schen Maschinenfabrik. Beide Liegenschaften wurden von Calliston unter Begleitung durch Aengevelt realisiert. Mit dem Verkauf des "Hansapark" für rund 90 Millionen Euro an ein Versicherungskonsortium im Jahr 1992, schafften Gewerbeparks erstmals den Sprung in die Asset-Klassen institutioneller Investoren.

Die beiden Projekte stehen für die zweite und dritte Generation von Gewerbeparks: Sie verfügen über deutlich größere Büroflächenanteile und entsprechend höhere Qualitätsstandards als die früheren Gewerbepark-Entwicklungen.

Der Erfolg des Modells Gewerbepark hat Gründe: Anders als monogenutzte Liegenschaften bietet es Developern und Investoren flexible Gestaltungsmöglichkeiten und lässt sich an veränderte Rahmenbedingungen anpassen. Angesichts großer brach liegender Industrie- und Gewerbeflächen sowie Post- und Bahnarealen ist auch in Zukunft das Flächenpotenzial für weitere Gewerbepark-Entwicklungen bundesweit ausreichend vorhanden.

Der Autor, Lutz Aengevelt, ist Geschäftsführender Gesellschafter der Aengevelt Immobilien GmbH & Co. KG.

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