Briten kaufen in Deutschland
Shoppingzentren werden zu Investitionsschlagern

Lurchi machte den Anfang: Im Februar dieses Jahres hat die EnBW-Tochter Salamander aus Kornwestheim bundesweit 22 Einzelhandelsimmobilien an den European Property Investors EPI Fonds verkauft. 140 Mill. Euro sollen geflossen sein.

mmb DÜSSELDORF. Wenige Monate später zog Karstadt-Quelle nach und veräußerte 74 kleinere Warenhäuser an den britischen Finanzinvestor Dawnay Day. Zusammen mit den Fachgeschäften der Ketten Sinn-Leffers und Runners-Point, für die sich deutsche und amerikanische Investoren entschieden hatten, brachte der Verkauf dem Essener Unternehmen 1,1 Milliarden Euro ein.

Parallel zu diesen beiden bekannt gewordenen Mega-Deals wechseln seit Monaten großflächige Einkaufszentren, citynahe Shoppingcenter, Fachmarktzentren und Supermärkte den Besitzer. Internationales Kapital fließt in großem Stil nach Deutschland und fragt diese Objekte nach. Insider sprechen von einem regelrechten Run. "Vor allem angelsächsische Investoren sind präsent. Sie setzen darauf, dass die Renditen deutscher Immobilien in den nächsten Jahren weiter sinken werden und sich neben den laufenden Einkünften aus den Immobilien Wertsteigerungen erzielen lassen", sagt Peter Pilz, Leiter der Investment-Abteilung bei Cushman & Wakefield Healey & Baker in Frankfurt. Wer heute eine Handelsimmobilie mit einer Rendite von 7,5 Prozent netto und einem 15-Jahres-Mietvertrag erwerbe, habe gute Chancen, sie in zwei Jahren zu einer Rendite von sechs Prozent wieder zu verkaufen. "So kann ein zusätzlicher Erlös von mehr als drei Jahresmieten erzielt werden", sagt Pilz. Für den massiven Einstieg der Briten in den deutschen Markt nennt er weitere Gründe: Der Inselmarkt sei quasi leer gekauft. Außerdem liege das Zinsniveau im Königreich bei 6,5 Prozent. "Das bedeutet, dass dort die Kosten zur Fremdfinanzierung die Erträge aus den Mieteinnahmen übersteigen", sagt er.

Hier zu Lande dagegen liegen die Zinsen mit vier Prozent immer noch auf historisch niedrigem Niveau. "Zudem sind heimische Immobilien preiswerter geworden, internationale dagegen teurer", ergänzt Gerd Kemper, geschäftsführender Gesellschafter der Kemper's Holding. Durch deren Vermittlung hat gerade die schottische Gesellschaft Miller Developments aus Edinburgh 19 Supermärkte vom deutschen Entwickler Prebag Gewerbeau erworben. Das Transaktionsvolumen beträgt 50 Mill. Euro. Mit 750 bis 800 Mill. Euro will sich auch der Londoner Immobilieninvestor und Projektentwickler Edinburgh House auf den deutschen Retail- und Logistikmärkten engagieren. Erste Käufe mit einem Gesamtwert von mehr als 200 Mill. Euro seien bereits getätigt, sagt CEO David Roberts: "Deutschland ist für uns ein bedeutender Zielmarkt, auf dem wir uns langfristig etablieren wollen." Möglichkeiten, so der Schotte, gebe es in ausreichender Zahl.

Unter den Verkäufern ist auch ein großer deutscher Fonds: Der "Hausinvest Europa" der Commerz Grundbesitz Investmentgesellschaft (CGI) veräußerte ein Portfolio mit kleineren Fachmarktzentren. "Wir konzentrieren uns auf den Erwerb von größeren Shoppingcentern", begründet CGI-Sprecher Dietmar Müller den Verkauf. Ausgerechnet in diesem Segment bekommen CGI und andere nun Konkurrenz: Gerade haben die LaSalle Investment Management und die kanadische British Columbia Investment Management Corporation ein Joint Venture gegründet, die LaSalle German Retail Venture (LGRV). "Ziel des Zusammenschlusses ist es, renditeträchtige Einzelhandels-Investments in ganz Deutschland zu akquirieren", sagt LGRV-Fondsmanager David Ironside. Die Gesellschaft will 600 Milionen Euro in den deutschen Einzelhandelssektor investieren. Der Fonds hat sich bereits Immobilien im Wert von rund 250 Mill. Euro gesichert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%