Briten und ihre Häuser
Kaufen statt mieten

In Großbritannien währt die Erholung mit Wachstumsraten von bis zu 3,5 Prozent schon seit zehn Jahren. Die Arbeitslosigkeit ist auf dem tiefsten Stand seit einem Vierteljahrhundert.Dreh- und Angelpunkt der britischen Wirtschaft ist der Immobilienmarkt. Denn die Briten mieten nicht, sie kaufen.

HB LONDON. Zehn Jahre schon währt seine Erholung mit Wachstumsraten von bis zu 3,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit ist auf dem tiefsten Stand seit einem Vierteljahrhundert. Großbritannien hat Frankreich abgehängt und ist zur viertgrößten Wirtschaftsmacht der Welt aufgestiegen, nach den USA, Japan und Deutschland. In 20 Jahren, so prophezeit eine Studie der Barclays Bank, werde das Vereinigte Königreich auch Deutschland überrunden.

Diese Vorhersage mag gewagt sein, aber sie sagt etwas über die Stimmung im Land. Wer das letzte Mal in den 70er oder 80er Jahren als Austauschschüler auf der Insel war, wird sich wundern, wenn er heute zurückkehrt - England ist reich geworden. Manche allerdings glauben: Die Party ist der Tanz auf dem Vulkan. „Die Frage ist, ob die britische Wirtschaft außer Kontrolle gerät“, schreibt die „Financial Times“.

Dreh- und Angelpunkt der britischen Wirtschaft ist - so unverständlich das für Deutsche zunächst klingen mag - der Immobilienmarkt. Briten mieten nicht, sie kaufen, denn noch immer gilt: My home is my castle. In den vergangenen zehn Jahren sind die Hauspreise dermaßen explodiert, dass in London selbst umgebaute Toilettenhäuschen noch sechsstellige Beträge erzielen. Als Tony Blair 1997 Premierminister wurde, verkaufte er sein Londoner Reihenhaus mit gutem Gewinn für umgerechnet 920 000 Euro. In diesem Jahr kam es erneut auf den Markt - für 2,5 Millionen Euro. Eine Krankenschwester schrieb in einem Leserbrief: „Ich finde es unmoralisch, dass mein Haus im Monat mehr Geld reinbringt als meine Arbeit.“

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