British Land
Finanzkrise haut Londoner „Käsereibe“ um

Die Kreditkrise wird nicht nur in den Bilanzen der Banken, sondern auch in der Londoner Skyline Löcher hinterlassen: Die Immobiliengesellschaft British Land hat sich entschlossen, den Bau der "Käsereibe", dem Prestigeprojekt des Stararchitekten Richard Rogers, zu verschieben.

LONDON. Die Immobiliengesellschaft British Land ist zu dem Schluss gekommen, dass das heftigste Beben in der Finanzbranche seit Jahrzehnten nicht der optimale Zeitpunkt ist, um 55 000 Quadratmeter neuen Büroraum auf den Markt zu bringen. Deshalb will British Land den Bau eines neuen Wolkenkratzers, der unter dem Spitznamen "Käsereibe" bekannt ist, um mindestens ein Jahr auf 2012 verschieben. "Wir müssen den Zeitplan überprüfen, um Baukosten und Vermietung zu optimieren", sagte Vorstandschef Stephen Hester.

Die "Käsereibe" verdankt ihren Spitznamen der gewölbten Fassade des 47-stöckigen Hochhauses. Das Prestigeprojekt von Stararchitekt Richard Rogers ist Teil einer Reihe neuer Wolkenkratzer, die in den kommenden Jahren die Skyline der Londoner City verändern sollen. Doch die Finanzkrise hat die hochfliegenden Planungen in Frage gestellt. Die "Käsereibe" ist zwar das erste Bauprojekt, das verschoben wird, aber Probleme gab es auch schon bei anderen Vorzeigeprojekten, zum Beispiel beim "Shard-of-Glass-Tower". Bei der "Glasscherbe", handelt es sich um einen 71 Stockwerke hohen Wolkenkratzer, geplant von Stararchitekt Renzo Piano, der angesichts der anhaltenden Wertverluste am Londoner Büroimmobilienmarkt das Misstrauen der Investoren zu spüren bekam. Die börsennotierte Immobiliengesellschaft CLS Holdings trennte sich mit einem Verlust von 25 Mill. Pfund von ihrer Beteiligung. Auch der private Immobilienfinanzierer Simon Halabi verabschiedete sich. Dafür sprang ein Konsortium aus Katar mit 100 Mill. Pfund ein.

Mit einer schnellen Besserung der Lage am Londoner Büroimmobilienmarkt rechnet wegen der Folgen der Kreditkrise kaum jemand. In den vergangenen Monaten sind die Preise um mehr als 20 Prozent gefallen. British Land räumte gestern ein, dass die Büromieten unter Druck geraten sind. Das Unternehmen wird im kommenden Monat einen weiteren Komplex in der Londoner City fertigstellen, der erst zu 40 Prozent vermietet ist. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres korrigierte British Land den Wert seines Immobilienportfolios um zehn Prozent nach unten und wies einen Verlust vor Steuern von rund 570 Mill. Pfund (717 Mill. Euro) aus.

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