Büroflächen
Hamburgs Mieter warten ab

Trotz Wirtschaftskrise ist die Nachfrage nach Büroflächen in Hamburg rege. Doch hohe Preise zahlt niemand. Firmenchefs schauen bei der Suche nach einem geeigneten Standort genau auf Quadratmetermiete und Nebenkosten.

HAMBURG. Manchmal geht es ganz schnell: Pharma-Riese Glaxo Smith Kline hat nicht einmal drei Monate in Hamburg nach neuen Büroräumen gesucht. Nun zieht Glaxo von der Alster in die City-Süd. Die neue Heimat der Pharmaexperten ist ein Gebäude aus dem Portfolio des offenen Immobilienfonds Westinvest 1 am Heidenkampsweg. "Die City-Süd ist derzeit gefragt", sagt Simone Hill, Beraterin im Hamburger Büro von Immobilienvermittler Jones Lang Lasalle (JLL). "Hier finden Konzerne hochwertige Flächen nur ein paar Schritte vom Hauptbahnhof entfernt zu einem reellen Preis."

Und genau darum geht es. Firmenchefs schauen genau auf Quadratmetermiete und Nebenkosten. Mit durchschnittlich elf Euro pro Quadratmeter und Monat gehört die City-Süd zu den preiswerteren Adressen in Hamburg. Zum Vergleich: In der Hafencity, dem neuen Vorzeige-Quartier der Hansestadt, kostet Büroraum im Schnitt 19 Euro. An der edlen Einkaufsstraße Neuer Wall müssen Büromieter sogar mit 22 Euro rechnen. Auch für solche Flächen seien zwar zahlreiche Anfragen vorhanden, heißt es bei Immobilienberater CB Richard Ellis (CBRE). Doch bis zum Vertragsabschluss dauert es häufig deutlich länger als nur drei Monate. "Grundsätzlich herrscht eine abwartende Haltung - nicht nur auf dem Hamburger Markt", erklärt Heiko Fischer, Büroleiter von CBRE in Hamburg. "Den Chefs fällt es schwer, heute eine Entscheidung für die kommenden fünf Jahre zu treffen." Um das Unterschreiben leichter zu machen, bieten immer mehr Makler so genannte Incentives an, eine Gratis-Inneneinrichtung zum Beispiel oder ein paar mietfreie Monate.

Bei einer Leerstandsquote von rund sieben Prozent macht sich Heiko Fischer dennoch keine Sorgen um den Markt an der Elbe. Immerhin 550 000 Quadratmeter (qm) Bürofläche wurden im vergangenen Jahr neu vermietet - und damit nur geringfügig weniger als im Boomjahr 2007, als 578 000 qm Bürofläche neue Mieter fanden.

Ein großes Fragezeichen allerdings steht hinter allen Prognosen zum laufenden Jahr. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind schwierig, Ifo-Index und Exportzahlen sinken, das Bruttoinlandsprodukt und die Zahl der Erwerbstätigenzahl ebenfalls. Ein nicht zu unterschätzender Standortvorteil sei in diesen Zeiten der ausgewogener Branchen-Mix der Hansestadt , sagt Alan Cadmus, Vorstandssprecher der Berliner Polis Immobilien. Hamburg bleibe auch weiterhin eine wachsende Stadt mit einem stabilen Büromarkt, ist Cadmus überzeugt. "Das Wachstum stützt sich auf zahlreiche Wirtschaftszweige mit hoher Wertschöpfung, so dass sich keine hohe Abhängigkeit von einzelnen Branchen ergibt, insbesondere nicht von dem heute turbulenten Bankbereich." Polis hat gerade ein altes Kontorhaus in der Steinstraße mit 2 700 qm Nutzfläche an die Hamburger Hochbahn vermietet. Als nächstes Projekt will man ein Bürogebäude in der Domstraße ab Sommer aufwendig modernisieren.

Besonders rund um die Binnenalster haben sich zuletzt in Hamburg die Baukräne gedreht. Zwischen dem Dammtorbahnhof und der Mönckebergstraße stehen 14 neue Bürohäuser mit insgesamt 186 000 qm Fläche - einige davon noch immer mit Baugerüst. Angestrebt werden hier Mieten bis zu 27 Euro pro qm. Heiko Fischer von Immobilienberater CBRE rechnet damit, dass viele dieser teils noch leerstehenden Neubauten bis zum Sommer vermietet sind. Auch im Überseequartier, dem Herzen der Hafencity, entstehen derzeit auf 123 000 qm neue, moderne Schreibstuben.

Nikolaus Bieber, Geschäftsführer und Mitgesellschafter des im Überseequartier engagierten Projektentwicklers Groß & Partner, ist sicher, dass das wachsende Angebot kein Problem für den Gesamtmarkt in Hamburg birgt: "Die Fläche kommt Stück für Stück in den Angebotstopf. Außerdem sind die Bauherren in der Hafencity zur Hälfte auch gleichzeitig Bewohner der neuen Headquarter." Beispiele sind Unilever, der Spiegel-Verlag, Kühne und Nagel und der Germanische Lloyd. "Der Imagegewinn für die Region ist enorm", sagt Bieber und glaubt an eine erfolgreiche Vermarktung des Standorts. Dort wird übrigens nicht nur gemietet: Ein Gebäude mit Büros und Wohnungen wurde im Dezember an die amerikanische Kapitalanlagegesellschaft TMW Pramerica Property Investment für 140 Mio. Euro verkauft.

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