Büromärkte
Der Boom ist zu Ende

Allem Pfeifen im Walde zum Trotz: Die Finanzmarktkrise wirkt sich jetzt auch auf deutsche Büromärkte aus. Wie stark, darüber ist man sich in der Branche nicht einig. Doch für Untergangsstimmung sehen Beobachter keinen Anlass - zumal sich bereits neue Nachfragetrends abzeichnen.

Das Frankfurter Büro des Immobilienberaters Dr. Lübke schien den Deal schon auf sicher zu haben. 2 000 Quadratmeter (qm) wollte eine aufstrebende Internetagentur mieten, und die Details waren alle ausgehandelt. Doch zwei Tage vor der Vertragsunterzeichnung kam der Anruf: Die Internet-Dienstleister wollten nun doch nicht unterschreiben - zu unsicher war ihnen die wirtschaftliche Situation geworden.

Die Erfahrung von Dr. Lübke werden in naher Zukunft noch weitere Bürovermieter und-makler teilen."Die globale Finanzkrise leitet auf den europäischen Büroimmobilienmärkten die schwächste Phase seit fünf Jahren ein", teilte gestern der Immobiliendienstleister King Sturge mit. Und CB Richard Ellis meldet, dass der Umsatz an den vier größten deutschen Bürostandorten im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal zurückgegangen ist.

Einen deutlichen Kontrast zu diesen Einschätzungen und Fakten bilden die Zahlen des bisherigen Jahresverlaufs. Übereinstimmend berichten die führenden Maklerhäuser von hervorragenden Umsatzvolumen, steigenden Spitzenmieten und sinkenden Leerstandsquoten. "Die Fundamentaldaten des deutschen Büroimmobilienmarktes sind gesund", sagte denn auch gestern auf der Expo Real Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Maklerverbandes IVD. Und IVD-Präsident Jens-Ulrich Kießling meinte gar: "Der Optimismus auf den deutschen Büromärkten hat durchaus seine Berechtigung."

Nun ist es nichts Neues, dass Makler von Berufs wegen zu gesteigerter Zuversicht neigen. Umso bemerkenswerter ist es, dass mittlerweile auch Vertreter dieses Berufsstands Anzeichen von Skepsis äußern. Einen "Mangel an neuen Anfragen insbesondere im großflächigen Bereich" räumt Jones Lang LaSalle ein, weshalb für 2009 ein "deutlich rückläufiger Umsatz" zu erwarten sei. Und selbst Morten Hahn, geschäftsführender Gesellschafter von Dr. Lübke und nach eigener Einschätzung kein Schwarzmaler, äußert Zweifel, "ob die Dynamik der letzten Monate anhält".

Besonders brisant ist als Folge der Entwicklung im Bankensektor die Situation in Frankfurt am Main. Hahn zufolge könnten allein durch die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank in den nächsten Jahren rund 130 000 qm Bürofläche auf den Markt kommen. 4 000 qm sind bereits durch die Insolvenz von Lehman Brothers frei geworden. Gleichzeitig entstehen derzeit in Frankfurt wie in fast allen deutschen Bürohochburgen zahlreiche neue Bürogebäude, darunter bis Ende 2009 der Opernturm von Tishman Speyer mit 60 000 qm. Die logische Folge: Der Leerstand wird steigen.

In welchem Umfang, ist allerdings strittig "Auch wenn die Stimmung gedämpft ist und in näherer Zukunft mit einer eher verhaltenen Nachfrage zu rechnen sein wird, erwarten wir keinen abrupten Einbruch im Vermietungsmarkt", sagt Carsten Ape vom Frankfurter Büro von CB Richard Ellis. Auch sein Kollege Metin Yildrim von Dr. Lübke hat bislang zwar eine deutliche Zurückhaltung, aber keinen Einbruch der Nachfrage festgestellt.

Doch was nicht ist, kann noch werden. Tobias Just von der Deutsche Bank Research zufolge ist die Frage nicht ob, sondern lediglich wann die Krise auf dem Büromarkt ankommen wird. Denn Unternehmen versuchten jetzt, mit den Bestandsflächen zurechtzukommen, und würden mit neuen Anmietungen zurückhaltend, zumal für 2009 deutlich sinkende Spitzenmieten zu erwarten seien.

Allerdings sehen selbst neutrale Beobachter keinen Crash auf den deutschen Büromarkt zukommen. Denn in der Vergangenheit, argumentiert Andreas Schulten, Vorstand des Research-Unternehmens Bulwien-Gesa, seien selbst in schlechten Jahren etwa zwei Drittel des Ergebnisses der besten Jahre umgesetzt worden. Zudem, sagt Wolfgang Kubatzki, Partner Immobilien-Research bei Feri, "ist die Entwicklung der Angebotsseite aktuell deutlich maßvoller als zu Zeiten der New Economy, als massiv in die Krise gebaut wurde". Ferner gebe es ungeachtet der wirtschaftlichen Eintrübung einen "langfristigen Trend zu modernen, energieeffizienten und nachhaltig zu bewirtschaftenden Flächen". Die Losung Schultens werden Makler deshalb gerne hören: "Keine Panik!"

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%